1.2 Europäische Namen
Nach der Ankunft der Ersten Flotte, 1788, sollten Tausende
westliche Ortsnamen auf dem Kontinent entstehen. Einige jedoch waren bereits im
frühen 17. Jahrhundert vergeben.
Der offensichtlichste Unterschied zwischen Toponymen in
Europa und den westlichen Ortsnamen, die heute auf dem australischen Kontinent
vorzufinden sind, ist, dass sie in Australien bewusst vergeben wurden,
nicht erwuchsen.
Ob Entdecker oder Siedler, Orte wurden direkt benannt. Dazu
entwickelte sich die Infrastruktur im Südosten des Landes im frühen 19.
Jahrhundert so rasch, dass eine schnelle Namengebung auch notwendig war.
Postverkehr, Eisenbahnlinien und Administration erforderten eindeutige Namen.
Der Weg vom Wort zum Namen war entweder sehr kurz oder entfiel völlig.
Vorzufinden sind deshalb viele Namen, die sich unkompliziert erklären lassen.
Für Adam’s Scrub, Bridgetown, Broken Hill, Freeman’s Waterhole, Solomons
Temple, Rabbit Flat oder Texas lässt sich ein mögliches Motiv auf
den ersten Blick festmachen. Sie erscheinen durchsichtig. Andere wie Sydney,
Melbourne oder Adelaide sind von Namen zeitgenössischer
Persönlichkeiten abgeleitet.
1.2.1 Die Seefahrer
Bereits 1606 strandete der holländische Entdecker Willem
Jansz an der Nordspitze des heutigen Queenslands. Zunächst kam deshalb der Name
Neu Holland für den Kontinent in Gebrauch und wurde erst 1825 verdrängt
[12].
Zwischen 1616 und 1640 folgten weitere Segler, die auf dem neuentdeckten
kürzeren Weg nach Java vom Kurs abkamen und die Westküste Australiens passierten.
1642 entschloss sich die holländische Ostindien-Gesellschaft, eine Expedition
zu finanzieren, um den Kontinent im Süden zu erforschen. Weitere folgten, doch
da ein blühender Handel mit diesem Kontinent ausgeschlossen war, verloren sie
bald jedes weitere Interesse.[13]
Dennoch hinterließen die Holländer einige, teilweise noch
heute gebräuchliche Namen. Die Flussnamen Carpentier und Vereenichde
sind inzwischen vergessen, Van Diemen’s Land außer Gebrauch, Arnhem
Land, Cape Keer-Weer (der erste europäische Name in Australien, 1606
vergeben[14]), Dirk Hartog
Island sowie Van Diemen’s Gulf findet man aber noch auf heutigen
Landkarten.[15]
Noch bevor die Holländer einen Fuß auf australischen Boden
setzten, hatten wohl die Portugiesen den Kontinent besucht, wahrscheinlich
sogar die Ostküste in Teilen kartografiert. Es wird ebenfalls angenommen, dass chinesischen Seglern der Kontinen bekannt
war.[16]
Wie die Holländer vor ihm, fand auch der Engländer William
Dampier wenig Vielversprechendes vor, als er 1688 an der Westküste landete.
Erst James Cook, der sich annähernd einhundert Jahre nach ihm aufmachte, um die
Bahn der Venus über Tahiti zu vermessen und Neu Seeland für die Krone in Besitz
zu nehmen, wollte die ablehnende Haltung Dampiers und der Holländer nicht
teilen. Als er 1770 die Ostküste des Kontinents erkundete, fand er die
Bedingungen keineswegs unwirsch. Er und seine Crew verbrachten fast ein halbes
Jahr mit ihrer Erforschung[17].
Dabei vergaben sie etliche Namen, darunter New Wales (später New South Wales) für
den gesamten Osten. Ram, Cape Howe, Pidgeon House, Cape und Mount
Dromedary, Red Point, The Glass House, the 3 Brothers, die Whitsundays
Passage, der Fluss Endeavour und Bateman Bay sind einige
weitere, die heute teils in abgewandelter Form verwendet werden.
[18]
Botany Bay, sein Ankerplatz nahe dem heutigen Sydney, erhielt diesen
Namen wegen der Pflanzenvielfalt [19].
Während England ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert
Sträflinge nach Australien verschiffte, füllten französische Seefahrer ihre
Karten der Terre Napoleon, wie sie den Kontinent nannten, mit fast 130 weiteren
Namen[20].