3.1 Die Deutschen
Die ersten nachgewiesenen Spuren Deutscher im heutigen
Queensland führen bis 1838 zurück. Queensland wird als selbstständige
australische Kolonie erst in 21 Jahren proklamiert, Brisbane wird erst in vier
Jahren von einer Sträflingskolonie in den Status einer freien Siedlung erhoben
werden und die Küste der Moreton Bay ist noch weitgehend unberührt, aber eben
dort, sechs oder sieben Meilen vor Brisbane[92]
betreiben einige Missionare eine Station, die sie Zion’s Hill nennen,
die aber weitgehend als German Station bekannt ist. Ihre Betreiber sind Deutsche.
Im Januar 1838 erreichten sie Sydney und machten sich auf
den Weg nach Norden. Zu dieser Zeit gab es, abgesehen von Militär und
Häftlingen, keine dauerhafte europäische Präsenz im späteren Queensland. Der
Zensus von 1841 gibt die Bevölkerung des Moreton-Bay-Distrikts mit 200 an.
Separat ausgewiesen sind die 30 Deutschen, 12 davon Kinder.[93]
Ihre Mission stellt die erste freie Siedlung in Queensland dar. Sie hatte keine
zehn Jahre Bestand, aber die Deutschen blieben. Sie boten später hinzukommenden
Landsleuten einen ersten Anlaufpunkt und praktische Hilfe.
Auf die Besiedlung der Darling Downs von Süden wurde
hingewiesen. Unter den Squattern, die hierher drängten, befand sich mindestens
der Deutsche Friedrich Bracker. Im August 1828 verließ er Hamburg und traf zu
Beginn des nächsten Jahres in Sydney ein. Er kam nicht allein, mit ihm gingen
299 Merinoschafe von Bord. 1841 pachtete er einen Run in den Downs und ließ
sich dort nieder.[94]
Zur Mitte der 1850-er Jahre wurde Queensland erstmals Ziel
größerer Gruppen deutscher Einwanderer, vornehmlich junge ledige Männer
zwischen 20 und 30 Jahren,[95] die ihre Verträge
von i.d.R. zwei Jahren Laufzeit erfüllten und beispielsweise als Schäfer für
Squatter arbeiteten. Sie bleiben in den Darling Downs. Nach Ende ihres
Vertrages verdienten sie ihren Lebensunterhalt oft als Handwerker oder
eröffneten Läden. Farmen aufzubauen war für sie zunächst untypisch.[96]
Von den 2.100 Deutschen, die der Zensus von 1861 für Queensland ausweist[97],
lebt fast die Hälfte in den Downs.[98]
Beachtliche deutsche Minderheiten fanden sich dazu in den dortigen Städten
Ipswich, Warwick, Drayton und auch in Brisbane.[99]
Mit den 1860-ern wird die staatliche geförderte Einwanderung
nach Queensland auch für Deutsche verfügbar. Johann Christian Heussler, der
v.a. an Menschen landwirtschaftlichen Hintergrunds interessiert war, die in
ihrer Heimat kein Land erwerben konnten, und nach ihm Wilhelm Kirchner, der
bereits für die Überfahrt vieler Deutscher nach New South Wales in den 40-ern
und 50-ern verantwortlich war, arbeiteten als Einwanderungsagenten in
Deutschland. Ihnen gelang es, Ströme von mehreren Tausend in den folgenden Jahrzehnten
in die junge Kolonie zu dirigieren. In den 60-ern und 70-ern kamen 17.000
Deutsche direkt nach Queensland.[100] Unter allen
Staaten des Commonwealth of Australia wies Queensland deshalb im ersten Drittel
des 20. Jahrhunderts die meisten Deutschen auf.[101]
Die Ersten emigrierten v.a. aus dem Osten, Schlesien, Pommern und Preußen. In
den 60-ern kommen dazu verstärk Menschen aus Württemberg, Hessen und Schleswig
Holstein.[102]
Der Betrieb einer eigenen Farm war für ihre Vorgänger eher
die Ausnahme. Für die, die jetzt kamen, war genau das das Ziel. Die frühen
1860-er markieren den Beginn einer neuen Periode.
Mehrere deutsche Familien erreichten 1863 und 1864 Brisbane
und erwarben mit Hilfe Pastor Hausmanns Land im Logan Reserve, südlich der
Stadt. Zunächst wurden 500 acres unter 22 Familien aufgeteilt, 16 davon kamen
aus der Uckermark, allein zehn aus Güntherberg, Greiffenberg und Görlsdorf. Die
Vermutung liegt nahe, dass diese Familien bereits in Kontakt standen, bevor sie
den Entschluss fassten, auszuwandern.
Sie siedelten auch hier zusammen. Es dauerte nicht lange,
bis auf weniger als einer Quadratmeile mehr als 30 Familien lebten.Dem Ort, der
auch als German Pocket bekannt war, gaben sie den Namen Bethanien. Die Siedlung stand bald auf eigenen Beinen und beeindruckte zeitgenössische Beobachter mit ihrem rasanten Wachstum.
Für die meisten war der Aufenthalt hier eine Art
Sprungbrett. Wenn sich die Möglichkeit bot, anderswo mehr oder besseres Land zu
erwerben, wurde sie ergriffen.[103]
Ab dieser Zeit finden sich Deutsche vermehrt in den
ländlichen Gebieten im Südosten Queenslands.
In den nächsten Jahrzehnten wanderten Deutsche auch in
andere Regionen Queenslands. Viele landeten zunächst immer noch in Brisbane und
zogen von dort weiter, aber Schiffe brachten Einwanderer inzwischen auch direkt
nach Cooktown, Maryborough oder Hervey Bay. Zur Jahrhundertwende waren Deutsche
also auch nördlich von Brisbane anzutreffen. Um Gympie, Maryborough oder
Bundaberg brauchten Zucker- und Holzindustrie Arbeiter, um Rockhampton, Charters Towers und Cloncurry suchten sie nach Gold oder arbeiteten in Minen und selbst in und
um Cairns und Cooktown im Norden des Landes waren Deutsche anzutreffen,
nirgendwo aber in so hoher Konzentration wie im Südosten Queenslands, wo
deshalb die meisten deutschen Ortsnamen entstanden.[104]