3.2 Die deutschen Namen
3.2.1 Vorgehen
Während für die anderen Staaten nur Sekundärquellen herangezogen
werden konnten, bestand die Möglichkeit, deutsche Ortsnamen in Queensland auch
anhand von Orts- und Schulchroniken, Post- und Regierungsverzeichnissen und
anderen Primärquellen aufzufinden.
Aus Tausenden Namen in amtlichen Verzeichnissen und
Gazetteers galt es diejenigen herauszufiltern, bei denen eine deutsche Herkunft
wahrscheinlich schien. Dabei waren Umlaute, Diphthonge, und Doppelkonsonanten
in fürs Englische ungewohnter Kombination wichtige Hinweise, ebenso <h>
zur Dehnung, <sch> oder <tz>. Um näher untersucht zu werden,
durfte der Name offensichtlich nicht einer der Aboriginensprachen entstammen
und eine Erklärung aus dem Englischen nicht naheliegend sein. Die Lage eines
Ortes in einem Gebiet, das nachweislich hohe deutsche Einwanderung erfuhr, war
ein weiteres Achtungszeichen. Auch noch vorgefundene deutsche Familiennamen in
einer Siedlung konnten die bestehende Vermutung, es handelt sich um einen
deutschen Namen, nur unterstützen.
Die Suche wurde in der Erwartung begonnen, dass viele der
deutschen Ortsnamen Queenslands inzwischen umbenannt wurden. Daher waren ältere
Quellen zu konsultieren. Ortsnamen wurden „Balliere's Queensland Gazetteer“ von
1876 entnommen, auch Well’s “A Geographical Dictionary or Gazetteer of the
Australian Colonies” von 1848 wurde ausgewertet. Diese waren jedoch wenig
ergiebig. Spätere Postverzeichnisse schienen gut geeignet zu sein, weil sie in
gesonderten Registern alle eingetragenen Personen sowie Orte mit ihren
Einwohnern alphabetisch auflisten. Besonders hohe deutsche Bevölkerung in einem
Ort fällt sofort auf. Zum Ende des 19. Jahrhundert hin wird man darin fündig.
Viele Siedlungen waren aber noch zu klein um selbstständig aufgenommen zu sein,
doch sie konnten bereits eigene Poststellen haben. Um diese aufzufinden, war
Joan Frew’s „Queensland Post Offices 1842-1980 and Receiving Offices 1869
1927“ nützlich. Sie wertete zeitgenössische Quellen aus und schuf eine Zusammenstellung
der Poststationen Queenslands.
Für heute bestehende Ortsnamen war die Suche in Quellen des
Department of Mapping and Surveying lohnend. Aus dem „Queensland Parish
Directory“, einem Verzeichnis der 5317 Gemeinden des Staates, wurden einige
Namen als potentiell deutsch extrahiert, ebenso aus dem „Queensland Town Map
Directory“. Am wertvollsten waren aber die Informationen (Ort, Lage und, soweit
bekannt, knappe Erläuterungen zur Entstehung des Namens), die eine vom
Department of Natural Resources and Mines betreute Datenbank beinhaltet. Sie
umfasst 40.536 Einträge.
Weitere Ortsnamen wurden auf aktuellen Karten gefunden.
Wenn die Vermutung bestand, ein Ortsname gehe auf einen
Familiennamen zurück, wurde nach dem Namenträger gesucht. Um die aufgestellten
Kriterien für deutsche Ortsnamen zu erfüllen, musste es zumindest als sehr
wahrscheinlich erscheinen, die Person, die dem Toponym Motiv bot, war deutscher
Herkunft. Die Arbeit von E.& R. Kopittke erleichterte dieses Vorhaben erheblich.
Die Autoren zeichnen für ein mehrbändiges Verzeichnis verantwortlich, das alle
Immigranten nach Australien erfasst, die Deutschland über den Hamburger Hafen
verließen. Seit den 1850-ern war das die große Mehrheit. Zur Verfügung standen
die Verzeichnisse der Jahre 1850 bis 1873, 1875 und 1876. Personen wurden auch
im „Index to Assisted Immigrants“ nach Queensland bzw. Moreton Bay zwischen
1848 und 1899 gesucht. Einwanderer, die in anderen Teilen Australiens landeten,
sind aber auch darin nicht erfasst. Einige Personennamen wurden in genealogischen
Verzeichnissen gefunden.
Aufgenommen wurden amtliche Ortsnamen, die Ortsnamen im
Sinne des Place Names Act sind, oder die heute Ortsnamen in diesem Sinne wären,
also Namen von Siedlungen, Localities und Städten, Bergen, Gewässern, Stellen
und administrativen Räumen, Parishes und Counties. Außer Acht gelassen wurden
Strassennamen, Runnamen und Namen für Häuser und Höfe, obwohl auch diese
lohnende Forschungsgebiete wären.
3.2.2 Localities, Orte, Städte
Ländliche Gemeinden gibt es in Queensland zahlreich. Entstanden
sind sie oft erst ab den letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts, als Farmland
auch in kleineren Parzellen verfügbar wurde und von Siedlern unter bestimmten
Auflagen erworben werden konnte. Oft handelt es sich bei diesen Siedlungen um
lose Ansammlungen weit auseinanderstehender Häuser mit umliegendem Farmland.
Einen Ortskern gibt es häufig nicht. Manchmal ist der Übergang von einem
solchen Ort in einen benachbarten fließend. „Dorf“ ist demnach auch nicht der
passende Begriff, sie werden „Localities“ genannt. Zu Verwaltungszwecken sind
sie voneinander klar abgegrenzt. Mit ihrer Abgrenzung und Erfassung in dieser
Form wurde in Queensland erst innerhalb der letzten 30 Jahre begonnen. Die
Arbeit daran ist noch nicht abgeschlossen.
Die Notwendigkeit der Benennung kam für diese Siedlungen
spätestens mit der Einrichtung einer Schule, Bahnstation oder Post auf. Deren
Namen entsprachen für gewöhnlich den Namen der Siedlungen, obwohl sie zunächst
nicht notwendigerweise in amtliche Verzeichnisse aufgenommen wurden.
Wenn eine solche Locality über nennenswerte Infrastruktur
und Bevölkerung verfügt, erscheint sie im amtlichen Gazetteer als „urban“ oder
„bevölkert“, und hier als „Ort“.
Städte sind nicht notwendigerweise größer oder haben mehr
Einwohner als Localities und können genauso ländlich erscheinen, wurden aber
irgendwann zur Stadt erklärt. Das konnte bereits geschehen, als sich nur „ein
oder zwei Holzhütten“[105] in der Umgebung
befanden, aber es von offizieller Seite sinnvoll erschien, diese Stelle als
Stadt zu vermessen und auszubauen. Stellen für die Errichtung von Städten
wurden aus strategischen oder ökonomischen Gesichtspunkten ausgewählt, oder
bereits länger bestehende Siedlungen an zentralen Punkten, manchmal auch auf
Privatbesitz, wurden vermessen, zur Stadt erklärt und in den Gazetteer
aufgenommen.
Im Gazetteer als „Suburb“, Stadtteil, gelistete Einträge,
sind Localities ähnlich. Sie sind ebenfalls abgegrenzt und von vergleichbarer
Fläche.
3.2. Aufbau der Einträge
Die nachfolgenden Einträge zeigen in alphabetischer
Reihenfolge die deutschen Ortsnamen Queenslands in einer ersten belegten
Schreibweise, die sie als solche auszeichnen. Andere, frühere Namen können
bestanden haben.
Unter dem Ortsnamen ist angegeben, was benannt ist.
Ist eine Jahreszahl angegeben, zeigt sie an, wann der Name
für den Ort selbst oder für eine dort befindliche Post- oder Bahnstation ein
erstes Mal belegt ist. In vielen Fällen ist dabei wahrscheinlich, in einigen
auch bezeugt, dass der Name schon vorher lokal in Gebrauch war. Im Falle von
Namen administrativer Räume geben die Daten einen ersten feststellbaren
Gebrauch in dieser Funktion wieder. Wenn sie von Runnamen abgeleitet sind,
bestanden sie als Namen für diese bereits lange zuvor.
Wenn die ursprüngliche Form nicht dem heutigen Ortsnamen
entspricht, ist dieser darunter angezeigt.