5 Schlussbetrachtungen
Jeder Ortsname ist ein Stück Geschichte. Er kann Aufschluss
über das Land, seine Bewohner oder deren Herkunft geben. Das gilt auch für die
deutschen Ortsnamen in Australien. Sie sind in erster Linie Zeugnis der
Einwanderung Deutscher im 19. Jahrhundert. Ortsnamen, die sie mit ihrer
einstigen Heimat verbanden, ließen sie in der Fremde weiterleben. Menschen, die
die beschwerliche Reise in eine ungewisse Zukunft ohne die Chance auf
Wiederkehr wagten, fanden sich in der Toponymie verewigt.
In dieser Arbeit wurde gezeigt, dass es zahlreiche deutsche
Ortsnamen auf dem australischen Kontinent gab und noch gibt. Es konnte an
Beispielen dargestellt werden, wie sie dorthin gelangten, wie sie sich
einfügten, und warum sie heute teilweise verschwunden sind.
Seit der „Entdeckung“ des Kontinents durch die Europäer
entstand in Australien eine reichhaltige Namenwelt, die Elemente vieler
Sprachen vereint. Die deutschen Namen sind dabei nur ein kleiner Teil, der,
nichtsdestotrotz, den Anteil der deutschen Siedler am Aufbau des Australischen
Staatenbundes würdigt. Die Deutsche waren von Anbeginn involviert, zunächst nur
vereinzelt. Erst als zur Mitte des 19. Jahrhunderts die wirtschaftlichen und
politischen Rahmenbedingungen ihre Einwanderung in die östlichen Kolonien zu
Tausenden ermöglichten, entstanden dort deutsche Ortsnamen reihenweise. Der
Beginn einer Masseneinwanderung von Briten lag nur wenige Jahre zurück. Viele
Örtlichkeiten und neu heranwachsende Siedlungen brauchten Namen. Wo Deutsche in
Gruppen lebten, oder wo sich Einzelne durch besondere Leistungen hervorhoben,
konnten deutsche Ortsnamen entstehen. So ist das Auftreten der vielen deutschen
Ortsnamen eine direkte Folge der Masseneinwanderung Deutscher im 19. Jahrhundert.
Das gilt aber nicht für alle. Einige Toponyme sind das Ergebnis
bestehender Bindungen zwischen dem Britischen Königreich und Deutschland. Diese
Namen entstanden meist mit nach Australien gekommenen Briten. So deutet nicht
jeder Ortsname, der deutsch aussieht, tatsächlich auf deutsche Einwanderer hin.
Auf der Suche nach deutschen Spuren in der australischen
Namenwelt lohnt es sich überall zu schauen. Dort, wo viele Einwanderer lebten,
sind sie zu erwarten; doch auch dort wo man sie nicht erwartet, kann es
Toponyme mit deutschen Ursprüngen geben. Selbst im unwirtlichen roten Zentrum
des Kontinents gab es sie.
In Victoria, New South Wales und auch Tasmanien sollten
weitaus mehr deutsche Namen vorzufinden sein, als hier angeführt werden
konnten. In die beide Erstgenannten wanderten mehrere Tausend Deutsche ein.
Dass deutsche Spuren auch in Strassen- und Hausnamen zu
finden sind, soll hier nur kurz angedeutet werden. In Queensland fielen sie mir
auf. Dort wo Deutsche wohnten, bei Pimpama oder in Nundah etwa, sind
Straßennamen, die auf ansässige Familien mit deutschen Namen hindeuten keine
Seltenheit. Auch sie wären ein lohnendes Forschungsthema. Teilweise kam es im
Ersten Weltkrieg auch zur Umbenennung solcher Straßen. Die Umbenennungswelle
machte bei Ortsnamen nicht halt.
Sie erfasste aber keineswegs alle Siedlungen. Obwohl sie in
Südaustralien auf der Basis eines Regierungsbeschlusses aus der Nomenklatur
entfernt wurden, benannten die andere Bundesstaaten nur vereinzelt Orte um.
Dort waren relativ wenige betroffen. So dokumentieren noch heute Ortsschilder
in allen Teilen Australiens die deutsche Einwanderung vor über 150 Jahren.