Nachname: Ursprung ermitteln
Nun möchten Sie sicher wissen, wo Ihr Nachname seinen Ursprung hat. Ein wenig eigene Recherche wird für die Deutung Ihres Namens notwendig sein (es sei denn,
Sie heißen Müller oder Fischer).
Der erste Schritt sollte sein,
herauszufinden, wie häufig Ihr Nachname heute auftritt. Die Anzahl ist
ein Hinweis darauf, ob der Name evtl. auf einen Ursprung zurückgeht, oder
ob er mehrfach unabhängig voneinander entstanden ist. Eine klare Grenze
kann man hier zwar nicht ziehen, doch deuten Zahlen jenseits der 1000 klar
auf letztere Möglichkeit hin, allgemein ist bis etwa 200 ein Ursprung gut
möglich, bei nur wenigen dutzend Namenträgern ist er relativ sicher.
Der zweite und wichtigere Schritt der Deutung ist, herauszufinden,
wo der Nachname auftritt. Warum ist
das so wichtig? Nicht alle im deutschen Sprachraum beheimateten Nachnamen sind ihrer Herkunft nach wirklich deutsch.
Bei der Deutung müssen Sie
u.a. mit niederländischen, französischen, tschechischen, polnischen und baltischen Etymologien rechnen. Und auch sonst war Deutsch nicht gleich Deutsch. Um die Zeit, als sich Familiennamen herausbildeten, waren die Unterschiede des nieder-, mittel- und oberdeutschen so eklatant, dass ein bayrischer Bergbauern einen friesischen Fischer nicht verstehen konnte. Zusätzlich wirkten regionale Dialekte in der Sprache. Deshalb ist die Verbreitung ein Hinweis darauf, ob der Name im Norddeutschen entstand, wo man Niederdeutsch sprach, oder eher im Süden, wo Hochdeutsch gesprochen wurde.
Die Verbreitung eines Namens weist auch heute Entstehungsgebiete aus. Besonders klare Ergebnisse erhalten Sie, wenn die Anzahl
der Namenträger gering ist, oder wenn der Name lokal sehr konzentriert auftritt. So wird der Ursprung aus einer bestimmten Entstehungssprache oder aus einem Dialekt
wahrscheinlich. Und andersherum: Mit Hilfe der Verbreitung eines
Familiennamens können bestimmte, nicht zutreffende Erklärungsversuche
ausgeschlossen werden. Das hilft einer guten Deutung ungemein.
Verbreitungskarten erstellen:
Mit dem kostenlosen Online-Service Geogen können sie in wenigen Sekunden selbst eine Verbreitungskarte erstellen.
Achten Sie lediglich darauf, dass Ihr Browser Grafiken im PNG-Format anzeigen kann.
Eine Verbreitungskarte wäre ideal, notfalls reicht aber auch jede handelsübliche Telefon-CD für diese beiden Punkte. Mit deren Hilfe können Sie
sich "auf Knopfdruck" Telefonteilnehmer des gesuchten Namens angezeigt
lassen, was sofort eine Aussage über die Häufigkeit erlaubt. Ein Blick auf die
Wohnorte verrät etwas über mögliche Konzentrationen.
Vielleicht haben Sie jetzt bereits eine Idee, wohin Ihr Nachname führt.
Schauen Sie Ihn sich jetzt noch einmal an, wichtig ist nun die
lautliche Gestalt. Das Deutsche
hat seit zweitausend Jahren die Tendenz, alle unbetonten Vokale wegfallen
zu lassen oder möglichst bis zum "E" zu reduzieren. Die Betonung eines Wortes bleibt nur
auf dem Stammvokal, meist der erste Vokal des Wortstammes. Bei
zusammengesetzten Wörtern haben Sie natürlich mehrere
(Eisenbahn). Wenn nun
Lautung und Verbreitung Ihres Namens auf deutschen Ursprung schließen
lassen, wissen Sie, welche Quellen für Ihre Deutung hilfreich sein werden.
Vielleicht haben Sie auch schon eine Idee, ob hoch- oder
niederdeutsch wahrscheinlich ist.
Nachnamen mit slawischer oder baltischer
Herkunft gehören ebenso zum heimischen Familiennamenschatz. Bei ihnen
blieb die Vokalreduktion aus. Typisch polnisch weist z.B. "Kowalski" drei
wunderschöne volle Vokale auf. Auch die Endung -ski deutet auf Slawisch, Kowal bedeutet Schmied.
Der Nachname "Wowereit" erregt bereits durch seine Endung -eit
Verdacht auf baltische Herkunft, auch -eitis wäre typisch. Für
die Erklärung baltischer und slavischer Nachnamen wäre die Suche in deutschen
Quellen vergeudete Zeit. Wenn namenkundliche Literatur nicht verfügbar
ist, kann bereits ein Blick in ein Wörterbuch Anregungen zum Ursprung
liefern. Die slawischen und baltischen Sprachen sind weit konservativer als das Deutsche.
Sie haben die Vermutung, Ihr Nachname sein französischer Herkunft?
Dann überprüfen Sie dies mit Hilfe der Webseite www.notrefamille.com.
Komfortabler als mit einer Telefon-CD können sie hier Anzahl und Streuung
von Namen in Frankreich ermitteln (gesuchten Nachname in das Feld "Noms de famille" eintragen). Wenn wirklich französische
Herkunft vorliegt, dann sollte die Anzahl der Namenträger in Frankreich
weitaus höher sein, als die in Deutschland. Die Streuung in Deutschland
sollte sich weitgehend im Westen konzentrieren.
Sollten Sie vermuten, Sie tragen einen hugenottischen Namen, dann lesen Sie unbedingt diesen Artikel zu den Namen der Hugenotten.
Bitte behalten Sie bei Ihren Nachforschungen auch im Hinterkopf, dass
mit Varianten zu rechnen ist. Verbindliche Rechtschreibnormen gibt es erst
seit dem vorigen Jahrhundert. Römhild und Römhildt, Wittich und Wittig
usw. gehören natürlich zusammen.
Eine Erklärung für Ihren Familiennamen werden Sie (hoffentlich) mit der
passenden Literatur finden. Deswegen ist der letzte
Schritt der Weg in die Bibliothek. Mit den angestellten
Vorüberlegungen sollte es Ihnen möglich sein, diejenigen Werke zu
konsultieren, die wirklich weiterhelfen, Ihren Nachnamen zu entschlüsseln (siehe Literaturliste). Ob die
Erklärung zufrieden stellend oder umfassend ist, wird sich zeigen, denn nicht jeder Nachname
wird verzeichnet sein.
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