Gutachten zum Vornamen Christa
Beim Namen Christa handelt es sich um
eine Kurzform des weiblichen Vornamens Christi(a)na, der wiederum eine
weibliche Bildung zum männlichen Vornamen Christian ist. Der Name Christian
geht auf das lateinische christianus und das griechische christianos
in der Bedeutung 'Anhänger Christi' zurück, das ursprünglich von Griechen und
Römern den Christen beigelegt wurde. Der Name Christus läßt sich auf das
griechische Christós 'der Gesalbte' zurückführen.
Später spiegelt sich die bewußte innere
Hinwendung zum Christentum in der Wahl des programmatischen Rufnamens Christian
'der Christ' wider. Als Kollektivbezeichnung für die Anhänger Jesu taucht
Christianus laut Apostelgeschichte 11,26 erstmals in Antiochien
auf und wird als Rufname durch Missionierungs- und Reformierungswellen immer
wieder neu belebt.
Im 8.-11.Jahrhundert sind die Rufnamen Christian(us)
und Christi(a)na unter den Fremdnamen, also Namen nicht-germanischen
Ursprungs, die häufigsten. Im Köln des 12.Jahrhunderts ist Christina der
sechsthäufigste Frauenname. Die Beliebtheit läßt dann nach, steigt aber in der
Reformation wieder stark an, um, auch in Reaktion auf die katholischen
Heiligennamen, durch die Wahl dieses Rufnamens die Menschen bewußt wieder auf
die Nachfolge Christi zu verpflichten. Vor allem bei Protestanten in Norddeutschland war der
Name nach der Reformation beliebt. Eine erneute Belebung erfolgt dann im
Pietismus. Im norddeutschen Raum ist der Name seit 1760 als einer der
häufigster Rufnamen belegt, wohl besonders durch die Leitnamen des dänischen
Königshauses. Im 19. und besonders im 20.Jahrhundert sind die Namen Christian/Christa/
Christina/Christiane nicht mehr durch ihre inhaltliche Bedeutung,
sondern eher durch ihren Wohlklang und die Mode sehr beliebt.
Der Kurzname Christa erscheint in
deutschsprachigen Quellen erst im 19.Jahrhundert als eigenständiger Vorname: in
Oberwinter zweimal im Zeitraum 1856-1905. Um 1900 ist Christa meist als
Name von Adligen belegt. Bekannte Namensträgerinnen des 20.Jahrhundert sind
z.B. die Dichterin Christa Reinig (geb. 1926 in Berlin); die Sopranistin
(Meta-)Christa Ludwig (geb. 1928 in Berlin) und die Schriftstellerin Christa
Wolf (geb. 1929 Landsberg/ Warthe).
Die als gesprochene Kose- und Kurzform Christa
zum Vollnamen Christi(a)na (Christi(a)ne) ist aber schon sehr viel
früher bekannt und beliebt. Offiziell als eintragungsfähiger Vorname ist Christa
u.a. nach einem Beschluß des preußischen Kammergerichts vom 18.12.1931 über
die Akzeptierbarkeit von Kurzformen bekannt und besonders in den 30iger und 40iger
Jahren beliebt geworden. Nach einer Zählung vom 31.3.1987 gab es allein in Westberlin 9408mal
den Namen Christa und 39mal die skandinavische Entsprechung Krista.
Schon um 300 ist eine Heilige namens Christa
bezeugt, die mit Julia, Cama Momna und Crescentia
auf Sizilien gemartert wurde (Namenstag: 4.Juni).
Weitere Heilige und Selige waren Christina,
selige Jungfrau in Stommeln bei Köln geboren und 1312 gestorben (Namenstag:
6.November /22.Juni/); Christina, heilige Jungfrau unter
Diokletian in Bolsena gemartert um 300 (Namenstag: 24.Juli); Christina,
Heilige, geboren in St. Trond bei Lüttich, Schafhirtin, gestorben 1224
(Namenstag: 24.Juli); Christina Ebner, Selige, geboren in
Nürnberg, Dominikanerinnenäbtissin in Engeltal, Diözese Eichstätt, gestorben 1356
(Namenstag: 27.Dezember) und Christiniana, Heilige, Märtyrerin
unter Maximian in Kleinasien, gestorben um 305 (Namenstag: 26.Juli).
Als Rufname ist der Name Christiana
(Christiane) mit den mundartlichen Kurzformen Nane, Christa,
Christel u.ä. im deutschen Sprachraum erstmals im Südwesten im
11.Jahrhundert und in der Schreibung Cristina schon ab 944 bezeugt. Im
11./12.Jahrhundert kommt der Name C(h)ristina sehr häufig im Rheinland
vor. Allein in Köln erscheint er 139mal im 12.Jahrhundert und nimmt damit den
2.Platz unter den Fremdnamen ein. Ab 1230 ist der Name auch für Westfalen
bezeugt. So könnte man die Liste für ganz Deutschland noch fortsetzen. Neben
den oben genannten Schreibungen erscheinen im 13.-15.Jahrhundert auch solche
Schreibungen und Kurzformen wie z.B. Crystyne, Kerstine, Styne, Stinne,
Styna, Stijne, Stinike, Styneke, Crystina, Cine, Cyne, Czina, Cristein,
Cristin, Kirstin, Kirstein, Karstine, Kirstina, Cristina, Stina, Cirstgin,
Kirstgin, Kirstyne, Steina, Kristinke, Christin, Christjane, Chrestiane
usw.
Weitere Namensträgerinnen für Christiana/Christiane/Christine/Christina
sind u.a. Christiane von Goethe geb. Vulpius,
geb. 1765 in Weimar; Christiane (Bigler geb.) Hörbigerrist,
Schauspielerin, geb. 1938 in Wien; Christiane Rücker, Schauspielerin,
geb. 1944 Kr. Grünberg/ Schlesien; Christiane Krüger,
Schauspielerin, geb. 1945 in Hamburg; Christine de Pisan,
französische Dichterin (14./15.Jahrhundert); Königin Christina von
Schweden (17.Jahrhundert); Christine Nöstlinger,
österreichische Schriftstellerin und Christine Brückner, deutsche
Schriftstellerin.
Neubildungen mit dem Kurznamen Christa
sind z.B. die weiblichen Doppelnamen Christalotte, Christamaria
und Christarose.
Die männliche Form Christian ist ab 737
im Südwesten Deutschlands, ab 865 im Rheinland, in Bayern erstmals 866 und
danach erst wieder im 12.Jahrhundert, ab 1154 in Westfalen, ab 1258 in Wetzlar,
im 13.Jahrhundert auch in Rostock, vor 1320 in Breslau usw. bezeugt.
In Schweden haben sich vor allem die Formen Kristina,
Kerstin, Kerstina; in Dänemark Kristine, Kirstine; im
skandinavischen Raum Krista, Kristiane, Kristin; im niederdeutschen Raum
Karsta (= Christa), Karstine (= Christine); in Italien und Spanien Cristina,
in Frankreich Christine (gesprochen kristín), Christelle und im
englischen Sprachraum Kristy, Kris, Chris u.v.a.m. durchgesetzt.
Wir hoffen, wir konnten Ihnen mit diesen
Informationen weiterhelfen.
Mit freundlichen Grüßen
Namenberatungsstelle
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