Der Name Lübeck
Christian Riese
Lübeck um 1572
Siedlungsgeschichte von Lübeck
Die ältesten Zeugnisse menschlichen Aufenthalts finden sich hier erst aus der Jungsteinzeit
(vgl. Hamburg).
Lübeck ist slawischen (genauer wagrischen) Ursprungs. Ausgang nahm die Besiedlung
vom sechs km unterhalb der Stadt gelegenen Alt-Lübeck, das an der Mündung der Schwartau
in die Trave auf einer schmalen Landzunge zu suchen ist. Hier liegt ein Burgwall mit
100 Metern Durchmesser, der erstmals bei Adam von Bremen und Helmold von Bosau
historisch greifbar wird. Diese Anlage war Sitz der slawischen Fürsten Gottschalk (1053–
1066) und Heinrich (1093–1127) und wurde Liubice genannt. Im Jahr 1138 wurde sie
vom slawischen Fürsten Race zerstört.
Gegründet wurde das moderne Lübeck erst 1143 von Graf Adolf II. von Schauenburg
und Holstein in direkter Nähe eines Bucu heissenden Burgwalls, den der Slawenfürst
Kruto 1066–1093 erbauen ließ. Dabei übertrug Graf Adolf den Namen des ursprünglichen
Lübecks (= Alt-Lübeck) auf diese neue Gründung. Die genaue Lage des alten Stadtkerns
ist nicht bekannt, man vermutet ihn aber im St.-Petri-Viertel. Zerstörte wurde die junge
Stadt schon 1157 durch einen großen Brand. Die hier ansässigen Kaufleute erhielten
daraufhin an der Wakenitz einen neuen Siedlungsplatz von Heinrich dem Löwen, der
aber schon bald zu klein wurde. Genannt wurde er Löwenstadt. 1158 schließlich trat der
Graf von Schauenburg und Holstein den Stadthügel an Heinrich den Löwen ab, der dort
einen Wiederaufbau ermöglichte.
Insgesamt wurde Lübeck dreimal gegründet (1. Alt-Lübeck, 2. bei der Burganlage
Bucu, 3. nach dem großen Brand als deutsche Kaufmannssiedlung) wobei die letztere
Gründung historisch die bedeutendste ist. Der Aufstieg in den folgenden Jahrhunderten
spiegelt sich in folgenden Eckdaten: 1160 Verlegung des Bistumssitzes von Oldenburg
nach Lübeck, 1181 Stadtrecht, 1188 kaiserliche Stadt, 1226 Reichsfreiheit, 1358 Vorort
der Hanse.
Urkundliche Belege / Überlieferung des Namens
Erstmals begegnet der Name im 11. Jahrhundert in der Form civitas Liubice in der
Überlieferung Adams von Bremen. Im 12. Jahrhundert lautet der Name Lubecam – diese
Belege beziehen sich aber noch auf Alt-Lübeck. Für das heutige Lübeck lauten die Belege
erstmals im 12. Jahrhundert bei Helmold von Bosau civitatem ... Lubeke; civitatis ...
Lubike.
Namenbedeutung von Lübeck
Zunächst sei nochmals darauf verwiesen, dass der Name Lübeck für die heutige Stadt
eine Namenübertragung des Namens des heute Alt-Lübeck genannten Vorläufers ist.
Da es sich hier um ein sog. Integrat handelt (ein ursprünglich slavischer Name wird
ins Deutsche integriert und dabei an diese Sprache angepasst und umgeformt) ist es
schwierig, die Grundform des Namens zu ermitteln. Insgesamt sind daher vier Ansätze
denkbar:
- eine Grundform Lübecks in der altpolabischen Form *L’ubky oder *L’ubiky kann
als Pluralform zu einem Personennamen wie *L’ubko, *L’ubek oder *L’ubik angesetzt
werden. Damit wäre Lübeck "Ort des *L’ub-k-". Diese Personennamenkurzform
(KF) gehört zu Vollnamen wie Lubogost, Lubomir oder Luborad, die auf urslawisch
*ljub "lieb, angenehm" zurückzuführen sind.
- eine altpolabische Grundform *L’ubici. Diese wäre mit einem patronymischen Suffix
-ici gebildet, das an einem Personennamen (PN) *L’ub oder *L’uba haftet. Damit
wäre Lübeck "Ort (der Leute) des *L’ub(a)". Auch dieser PN geht auf urslawisch
*ljub "lieb, angenehm" zurück.
- altpolabisch *L’ubica, *L’ubice als Grundform. Diese wäre eine Bildung mit einem
Suffix -ica, -ice zum Adjektiv *l’uby "lieb, angenehm, lieblich". Hier bedeutete
Lübeck also so viel wie "lieblicher, angenehmer Ort".
- altpolabisch *L’ubka als Grundform. Dieser Ansatz ist mit 3. nahezu identisch
bis auf den Unterschied, dass nun ein -k-Suffix zur Bildung verwendet wurde. Die
Bedeutung bleibt aber Punkt 3 gleich.
Bei historischen Belegen mit -k-Auslaut (wie z.B. dem vom 12. Jahrhundert) ist eine
Anlehnung an das mittelniederdeutsche Wort beke "Bach" anzunehmen, da dieses als
Ortsnamengrundwort im Niederdeutschen häufig ist und die deutschen Siedler kaum die
polabische Sprache gesprochen oder verstanden haben dürften, aus der der Name ja
stammt. Deshalb glich man Unbekanntes Bekanntem an.
Zusammengefasst und einfach ausgedrückt bleiben im Wesentlichen zwei Deutungen
übrig:
- Lübeck als "Ort der Leute eines *L’ub-" oder
- Lübeck als "lieblicher, angenehmer Ort" (vgl. oben 3.).
Einige der wichtigsten deutschen Ortsnamen haben wir hier für Sie erklärt:
|