Genannt-Baum

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Gast

Hallo ,

kann mir jemand die herkunft der genannt-Klausel erklären?Diese kommt nämlich in meinem Namen Vor z.B. xxxxx genannt xxxx .

Danke im Voraus!

User offline. Last seen 1 Woche 6 Tage ago. Offline
Experte!Moderator
Beigetreten: 07.03.2005
Beiträge: 1925

hallo,
was ist eine genannt-klausel?
Ist das nicht ein ganz "einfacher Doppelname" wie z.B. Schmidhauser-Bellenberger u.a.
Es gibt doch auch ähnliche NN Genant, Genandt.
Ob es wohl wirklich ein sog. Genannt-Name* ist ? Heinrich Kloos, gen. Ochsenbauer wäre eindeutiger.
Ich lass mich überraschen was die Fachleute dazu sagen werden.
mfG weste

Gast

Hallo,
ich trage selbst einen solchen Namen: "Wahsmuth gen. Friedes".

Dazu kann ich nur berichten, daß mein Urahn den Namen Wahsmuth genannt Mogk führte. Benannt nach seinem Gut.

Eine Generation später teilte sich diese Linie auf und einer seiner Söhne
gründete die Linie Friedes, gleichfalls nach einem Gut genannt.

Zur historischen Situation der Genanntname:
Erklärung zu den mit gt. beigefügten Zweitnamen.

Am 7. Dezember 1816 (Versteinerungsdatum) trat ein Gesetz in Kraft, nach dem festgelegt wurde, dass jeder nur noch den Namen führen durfte, den er an diesem Tage besaß.

1822 gab es eine neue Verordnung, die sinngemäß besagte: Bei Einheirat in ein Gut ohne männlichen Erben oder bei Erbschaft hat der neue Besitzer den Hof- und Geschlechtsnamen hinter dem Seinigen mit genannt (gt.) nachzusetzen.

Der Genanntname wurde vererbt, nur der direkte Erbe, nicht aber dessen Geschwister durften den Zweitnamen tragen. Die Verordnung galt also nur für erbliche Hofbesitzer; auch bei Eigentumswechsel durch Kauf durfte der Genanntname nicht weiter verwendet werden.

Diese Verordnung blieb bis 1919 bestehen, danach wurden Genanntnamen nicht mehr vergeben. Die schon vorhandenen Genanntnamen behielten weiter ihre Gültigkeit.

Viele Standesbeamte (seit 1875) hatten in den vergangenen Jahren aus Unwissenheit Fehler gemacht. Oft trugen Personen den Genanntnamen, obwohl sie keine Erben waren. Das alles aber spielte nun keine Rolle mehr, der jetzt vorhandene Name blieb bestehen.

Wollte eine Person trotzdem ihren Genanntnamen ablegen oder anfügen, so hatte sie den Nachweis der direkten erblichen Linie bis zurück zum sogenannten Versteinerungsdatum von 1816 zu erbringen. Durch Einsicht in standesamtlichen Urkunden und alten Kirchenbüchern war dieses sogar durchaus möglich.

Der Genanntname mit den daraus resultierenden Gesetzen bezieht sich nur auf die preußisch regierten Länder des 19. Jahrhunderts. Mit dem Ende Preußens und dem Beginn der Weimarer Republik nach dem verlorenen 1. Weltkrieg war es mit neuen Genanntnamen endgültig vorbei.

Beispiele: (gt. = genannt)

Krampe gt. Kampert
Rietmann gt. Higemann
Speckmann gt. Bäumer

Zum anderen kann ich Ihnen nur zu Ihren Anfänge der Genealogie sagen:
"Sichern sie alle Dokumente Ihrer Eltern, Großeltern (Stammbücher, Bilder, Zeugnisse, Päße, Urkunden aller Art) daraus geht schon vieles hervor. Danach wenden Sie sich an die jeweiligen Standesämter.
Der Beginn der standesamtlichen Eintragungen fängt mit 1875 an!
Paralell dazu sollten die Kirchenbucheintragungen herangezogen werden. Diese reichen meist nur bis zum Ende des 30-jährigen Krieges 1648 zurück. Davor gibt es so gut wie keine mehr.

Mfg Wahsmuth gen. Friedes

Gast

Die Antwort von Herrn Wahsmuth gen. Friedes ist nur teilweise richtig; abgesehen davon, dass hier wörtlich ein Artikel aus dem Internent wiedergegeben wurde. Seine Quelle sollte man schon nennen.
Die Ausführungen beschränken sich auf die heute noch bestehenden Namensformen mit dem Zusatz "gen(annt).", die überwiegend aus dem Westfälischen stammen. Das Verbreitungsgebiet der Genannt-Namen war jedoch erheblich größer. Im Rheinland z.B. wurde diese Benennung schon 1798 von den Franzosen abgeschafft ohne dass das "gen." übernommen wurde. Der Name war in bäuerlichen Siedlungsbereichen regional sehr stark an die Scholle gebunden. Der eigentliche Familiename trat hinter den Namen des Hofes zurück. Zumeist wurde wurden die Hofbetreiber nur nach dem Namen des Hofes benannt ohne Rücksicht darauf, wie sie wirklich hießen. In der Regel handelt es sich um Wohnstättennamen. Bei den Kinder verfestigte sich der Hofname dann zum Familiennamen. Erkenntlich sind solche Namen an Zusätzen in Kirchenbüchern und Urkunden wie: vulgo; modo; gen(annt); v(el).; alias; auf; an; op; zu; ter; t(h)o; u.ä. Sehr oft wurde der urspüngliche Name überhaupt nicht mehr erwähnt.

Horst Steimel