2.2 Südaustralien
Auch wenn die erste nachgewiesene Gruppenwanderung Deutscher
zunächst nach New South Wales und von dort nach Queensland führte, nicht nach
Südaustralien[53], so bietet diese
Kolonie doch das viel gepriesene und oft zitierte Paradebeispiel für die
erfolgreiche Masseneinwanderung und Ansieldung Deutscher in Australien. Bis zum
Beginn des Ersten Weltkrieges stellten die Deutschstämmigen etwa 10% der Bevölkerung
der Kolonie.[54]
Die ersten Gruppe deutscher Siedler traf in den ausgehenden
1830-ern ein. Bis zum Jahrhundertwechsel gab es einen stetigen Zustrom, auch wenn
die Zahlen ab den 1850-ern deutlich zurückgingen, weil andere Staaten dann
attraktivere Alternativen boten.
Eine Gruppe von 200 Altlutheranern gab damals den Anstoß für
den Zustrom. Ihre Überfahrt wurde vom Direktor der South Australian Company,
George F. Angas, finanziert.[55] Ihnen folgten ein
Jahr später zwei weitere Schiffe mit über 300 Glaubensbrüdern und nochmals 270
Einwanderer 1841, die zwar den Abschluss der religiös geprägten Wanderung
bildeten, aber Vorbildfunktion für nachfolgende Auswanderer hatten. Südaustralien
war als mögliches Ziel für auswanderwillige Deutsche, die jetzt v.a. aus wirtschaftlichen
Gründen kamen, etabliert. 1845 lebten bereits 1.200 Deutschstämmige in der
Kolonie. Ihre Zahl wuchs bis 1861 auf fast 9.000. Obwohl auch danach noch
weitere Einwanderer im Hafen Adelaides von Bord gingen, zog es viele ins benachbarte
Victoria oder New South Wales.[56]
Die frühen Siedler errichteten einige Kilometer außerhalb
Adelaides Dörfer nach deutschem Vorbild. Dort kultivierten sie Land für den
Anbau von Obst und Gemüse. Mit ein wenig Glück und viel harter Arbeit konnten
sie innerhalb weniger Jahre die Überfahrt und ihr Land abzahlen. Andere
Siedlungen entstanden weiter im Landesinneren, nach 1842 auch im Barossa
Valley, 60 Kilometer nordöstlich von Adelaide.
Zwischen 1848 und 1854 trafen weitere 1.100 Deutsche in
Adelaide ein, die aus dem Harz stammten.
Oft mit finanzieller Unterstützung bereits ausgewanderter
Familienmitglieder wurden weitere Verwandte ins Land geholt. Kettenwanderung
war für die deutsche Einwanderung nach Südaustralien typisch. So blieben die
Hauptherkunftsgebiete der Einwanderer bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
weitgehend die selben; der Osten und das Zentrum Deutschlands, viele aus einer
Region in Schlesien, die den Ausgangspunkt der Massenwanderung nach
Südaustralien markiert.[57]
Als die Kolonie noch nicht einmal zwei Jahre alt war,
landete die bereits erwähnte erste Gruppe deutscher Siedler an ihrer Küste. 200
Altlutheraner, angeleitet von Pastor Kavel trafen im November 1838 ein. Sie
waren vorrangig von religiösen Gründen getrieben. Die Mehrzahl der Gruppe
entstammte einem Dorf in Brandenburg, das heute in Polen liegt und Klepsk heißt,
damals aber Klemzig. Sechs Kilometer östlich von Adelaide begannen sie Land zu kultivieren und Häuser zu errichten. Sie gründeten einen Ort und
übertrugen den Namen ihres Herkunftsortes darauf. Ihre Siedlung in
Südaustralien hieß ebenso Klemzig.
Eine zweite Gruppe erreichte die Kolonie zum Ende des Jahres
1838. Der Kapitän ihres Schiffes „Zebra“ bot Motiv für den Ortsnamen. Er hieß
Dirk M. Hahn, folglich wurde die Siedlung Hahndorf genannt.
Wie viele weitere Ortsnamen in den folgenden Jahrzehnten
entstanden, lässt sich zunächst nicht bestimmen. Umbenannt wurden im Zuge des
Ersten Weltkrieges nach Praite aber 70, darunter Haus- und Hofnamen,
Siedlungsnamen, Gewässernamen und Namen administrativer Räume. Der Umbenennung
war anti-deutsche Stimmungsmache in der Presse, ein Regierungsbeschluss zur
Tilgung aller Ortsnamen mit „foreign enemy origin“ und die Bildung eines
Fachkomitees im August 1916, das solche Orte identifizieren sollte,
vorausgegangen.