3 Queensland
Europäer gab es 1820 in der zukünftigen Kolonie Queensland
nur an der Mündung des Brisbane River, wo eine Gefangenenkolonie bestand.
Zwischen 1825 und 1840 hielten sich dort nicht mehr als 1.000 Menschen auf.
Zwar begannen in den 1820-ern erste kleine Expeditionen das
Landesinnere zu erkunden,[86] aber die
Moreton-Bay-Kolonie stagnierte in ihrer Entwicklung. Für freie Besiedlung war
das Gebiet ohnehin nicht verfügbar. 1840 gelang es aber einigen Squattern von
Süden kommend, bis in die Darling Downs vorzudringen. Das reiche Weideland, das
sie dort vorfanden, animierte weitere zum Nachkommen. Und die kamen so rasch,
dass das Verbot freier Besiedlung im Moreton-Bay-Distrikt nicht lange
standhalten konnte. Es wurde 1842 gelöst. Für die Squatter war Zugang zum
dortigen Hafen essentiell. Sie mussten ihre Erzeugnisse verschiffen. So gab es
1843 zwar keine Siedlungen außerhalb von Brisbane und außerhalb der Darling
Downs, in letzterem Distrikt lebten aber bereits 400 Einwohner auf 26
Stationen. Der Zustrom von Süden hielt an.[87]
Bald hatte sich auch Ludwig Leichhardt einen Namen gemacht.
1844 begann er eine Expedition von Moreton Bay nach Port Essington, quer durch
das spätere Queenslands, ins nördliche Northern Territory. In seinem Bericht
preist er das Potential des Landes für Viehhaltung. Die Squatter folgten seinen
Spuren oder fanden eigene Wege nach Norden. Inzwischen konnten Sträflinge nicht
mehr von privaten Arbeitgebern angestellt werden. Die verfügbaren Arbeitskräfte
konnten die Nachfrage in den nördlichen Gebieten New South Wales nicht decken.
Löhne waren hoch. So dauerte es nicht lange, und die ersten Immigrantenschiffe
brachten Neuankömmlinge direkt in die Moreton Bay. 1851 wurden in der späteren
Kolonie bereits 8.375 Personen gezählt. Warwick, Ipswich und Maryborough hatten
je einige hundert Einwohner, Brisbane inzwischen 1.800.[88]
Und die Squatter drangen weiter vor. Als die Kolonie Queensland 1859 formiert
wurde, waren von ihrer Grenze im Süden bis zum Township Rockhampton und bis zu
400 km landeinwärts Viehhalter ansässig. Dazu gab es 3.5 Millionen Schafe,
500.000 Rinder und 24.000 Pferde.[89]

Abbildung 5: Die
Ausbreitung der Weidedistrikte in Queensland. Vereinfachte Darstellung nach
einer Beilage zum Runindex 1880 im Dept. of Natural Resources and Mines,
basierend auf Queensland und New South Wales Government Gazettes.
Jetzt erreichte die Einwanderung in die Kolonie neue
Dimensionen. Einer der ersten Schritte der Regierung war die Einführung eines
Programms subventionierter Einwanderung, während diese Form der Unterstützung
in den anderen Kolonien keinen Bestand mehr hatte. Verschiedene Formen der
„assisted migration“ entlasteten Auswanderwillige finanziell. Wer selbst für
die Kosten der Reise aufkam, erhielt eine Land Order im Wert von 18£ (damit
konnten mehr als sieben Hektar Land erworben werden) und eine weitere über 12£
nach zwei Jahren in Queensland.[90] Einwanderer konnten
diese Land Order an denjenigen abtreten, der die Kosten ihrer Reise trug und
somit kostenfrei überfahren. Das wirkte. Dazu hielten Einwanderungsagenten in
der alten Welt gezielt Ausschau nach auswanderwilligen jungen unverheirateten
Männern mit „rural background“ Queensland brauchte Arbeitskräfte. Die
Wirtschaft boomte, v.a. Bergbau und Weidewirtschaft. Allein zwischen 1864-66
kamen fast 40.000 direkt in die Kolonie.
Ab den 1870-ern wurde dazu mehr Wert auf kleinere
landwirtschaftliche Betriebe gelegt. Die Regierung räumte die Möglichkeit ein,
kleine Landparzellen zu erwerben und über mehrere Jahre abzuzahlen. Die
Bedingungen waren nun auch für Kleinbauern ideal. Vor allem aber dank des ausgereiften
Unterstützungskonzeptes zog Queensland mehr Einwanderer an, als jede andere
Kolonie Australiens und war schnell als „immigration colony“ bekannt. Bis 1890
strömten 245.000 dorthin. Davon kamen zwar 86% von den Britischen Inseln, unter
den restlichen 14% bildeten die Deutschen aber das Kernstück.[91]