Görler - Goerler

5 Antworten [Letzter Beitrag]
User offline. Last seen 2 Jahre 15 Wochen ago. Offline
neugierig
Beigetreten: 28.01.2017
Beiträge: 3

Einen schönen guten Abend an alle ForscherInnen,

seit einiger Zeit diskutiere ich mit einem Verwandten, der den Namen Görler trägt, woher dieser Name stammt. Es gibt noch die Varianten: Goerler und Gerler. Der Verwandte meint, der Name stamme vom Begriff Gürtler ab, wie auch die Namen Gördeler oder Goerdeler. Ich bin aber der Meinung, Görler stammt von Ger mit der Bedeutung Speer. Laut Buch von Albert Heinze "Die deutschen Familiennamen" ist die ursprüngliche Bezeichnung Gaisaz mit mehreren Varianten im alt-, mittelhochdeutschen und im angelsächsischen. Wer weiß mehr? -- Übrigens kommen die Görlers in Deutschland nicht oft, aber besonders häufig im Vogtland vor und so stammen meine Vorfahren auch aus der Gegend um Zeulenroda.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich dazu Eure Meinung höre.

Erika Hotho

User offline. Last seen 3 Stunden 31 Minuten ago. Offline
Experte!Moderator
Beigetreten: 31.12.2005
Beiträge: 4546

Emmi-Ho schrieb:

Einen schönen guten Abend an alle ForscherInnen, seit einiger Zeit diskutiere ich mit einem Verwandten, der den Namen Görler trägt, woher dieser Name stammt. Es gibt noch die Varianten: Goerler und Gerler. Der Verwandte meint, der Name stamme vom Begriff Gürtler ab, wie auch die Namen Gördeler oder Goerdeler. Ich bin aber der Meinung, Görler stammt von Ger mit der Bedeutung Speer. Laut Buch von Albert Heinze "Die deutschen Familiennamen" ist die ursprüngliche Bezeichnung Gaisaz mit mehreren Varianten im alt-, mittelhochdeutschen und im angelsächsischen. Wer weiß mehr? -- Übrigens kommen die Görlers in Deutschland nicht oft, aber besonders häufig im Vogtland vor und so stammen meine Vorfahren auch aus der Gegend um Zeulenroda. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich dazu Eure Meinung höre. Erika Hotho

 

Hallo

Kurz  zu dem von Dir erwähnten Buch von Heintze. Er hat eben nicht nur ein Buch geschrieben. Es gibt davon mehrere Ausgaben und teilw. hat er seine Angaben geändert.

Und das darin erwähnte gaisaz stammt aus dem Germanischen, ahd. dann ger (gêr )  indogermanisch ghaisóund, mhd. ger und bt. Speer, Wurfgeschoss, Pfeil u.ä..

Rund  120 Einträge in 61 vers. Landkr. sind zum Namen Görler in D verz.. Die "Meisten" im der Kreisfreie Stadt Gera (TH), im Voktlandkr. und im Saale- Orla Kreis.

Zu Goerler sind es gerade mal rund 10 Einträge. Die Meisten in BY (Landkr. Kronach).

Bei der Etym. des Namens sind sich die Forscher nicht einig.

Aus dem WeB (ohne Gewähr) Siehe/lese dazu:

http://www.gschweng.de/herl.htmg

Görler(Gerler), Balzer, bei Weißbach, Sachsen um 1540…………………..

http://www.ullmann-bernau.de/Spitzenahnenliste

Des Weiteren (möglicheiweise) auch Hkn. zu ON wie Görlitz. Dazugehörend auch der Fam. Nam. Görl (rund 300 Einträge in D). Der ON wird in der Oberlausitz Mundart Gerlz bzw. Gerlitz ausgesprochen.

Nun was tun? Einer der sich mit Fam. Nam. unteranderem eben auch im Voklandkreis, sehr gut auskennt, ist Dr. Dr. Volkmar Hellfritzsch. Ich würde Euch raten ihn zu kontaktieren. So erhaltet Ihr die best möglich Auskunft zum Namen. Seine Anschrift findet Ihr im Tel. -B..

https://de.wikipedia.org/wiki/Volkmar_Hellfritzsch

Die zweite Möglichkeit ist, wendet Euch an die Namenberatungsstelle der Uni Leipzig. Doch wie bereits erwähnt, Dr. Dr., V. Hellfritzsch kennt sich wirklich bestens aus und mit einer (evtl.) Auskunft von ihm seid Ihr wirklich sehr gut beraten.

http://www.namenberatung.eu/leistungen/familiennamen/

User offline. Last seen 2 Jahre 15 Wochen ago. Offline
neugierig
Beigetreten: 28.01.2017
Beiträge: 3

Hallo Tarzius,

danke ganz herzlich für die schnelle Antwort und Deine Mühe. Werde mich an besagten Dr. Dr. Volkmar Hellfritzsch wenden und hier im Forum berichten, wenn es interessante Aussagen gibt. Die beiden Links zu Gscheng und Ullmann waren bisher auch die einzigen, die ich gefunden hatte. Es war mir schon klar, dass der Name nicht so leicht zu erklären ist.

Liebe Grüße Erika

User offline. Last seen 3 Stunden 31 Minuten ago. Offline
Experte!Moderator
Beigetreten: 31.12.2005
Beiträge: 4546

Emmi-Ho schrieb:

  Hallo Tarzius, danke ganz herzlich für die schnelle Antwort und Deine Mühe. Werde mich an besagten Dr. Dr. Volkmar Hellfritzsch wenden und hier im Forum berichten, wenn es interessante Aussagen gibt. Die beiden Links zu Gscheng und Ullmann waren bisher auch die einzigen, die ich gefunden hatte. Es war mir schon klar, dass der Name nicht so leicht zu erklären ist.Liebe Grüße Erika

 

Hallo

Für das Forum wäre es natürlich sehr hilfreich, wenn Du die Angaben zum Fam. Nam. hier posten würdest. Danke.

Bevor Du Dr. Dr. V. Hellfritzsch kontaktierst, kann Du auch die Bücher, welche in der oben angegebenen WeB-Seite, verz. sind ausleihen, um nachzusehen, ob der Name Görler darin verz. ist.

Vogtländische Personennamen. Untersuchungen am Material der Kreise Plauen und Oelsnitz. Berlin 1969 (= DS 23).

Familiennamenbuch des sächsischen Vogtlandes. Berlin 1992 (= DS 37)

mit Gunter Bergmann: Kleines vogtländisches Wörterbuch. Leipzig 1990.

User offline. Last seen 2 Jahre 15 Wochen ago. Offline
neugierig
Beigetreten: 28.01.2017
Beiträge: 3

Hallo Tarzius und interessierte Forumnutzer,

noch besten Dank Tarzius für die Buchhinweise. Ich weiß nun mehr über den Namen Gerler/Görler und möchte die Antwort von Dr. Dr. Hellfritzsch hier kundtun:

"der von Ihnen genannte Name wird aus dem thüringischen Vogtland stammen. Wie die heutige Verbreitung auf Grund der Telefonbücher zeigt, liegt sein Schwerpunkt tatsächlich in Gera und Umgebung. Im sächsischen Vogtland gehört er jedenfalls nicht zu den alteingesessenen Familiennamen. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass es sich um einen sog. Herkunftsnamen zum Namen der Stadt Gera handelt. Eine Beziehung zum Ortsnamen Görlitz möchte ich ebenso wie eine Herleitung von der Berufsbezeichnung Gürtler aus strukturellen Gründen ablehnen. Dennoch favorisiere ich die bereits bei Heintze-Cascorbi und von Ihnen aufgegriffene Erklärung: Man wird, wie es Belege zeigen, vom Stammvokal e ausgehen müssen:

-  1512 Nickel Gerler, 1552 Paul Gerler, Valten Gerler, Lorenz Gerler, alle zu Göttendorf, Hohenleuben- Reichenfels (M. Frotscher: Landbethe-Register Amt Schleiz von1512 und 1552, in: Mitteldeutsche Familienkunde 7 (1966), S. 440f.

-  zwischen 1600 und 1800 Gerler in einer Einwohnerkartei des Gebietes um Weida und Neustadt a. O. (Thür. Sippe 7 (1941), S. 55.)

Damit werden wir auf eine alte patronymische, d. h. nach dem Rufnamen des Vaters gebildete Form verwiesen. Auszugehen ist demnach von einem alten deutschen (das Germanische müssen wir dafür nicht herbeiholen) zweigliedrigen Rufnamen Ger-hard, Ger-lach, Ger-old, Ger-fried usw. Solche Namen wurden häufig um das zweite Glied gekürzt. Das verbleibende Erstglied althochdeutsch/mittelhochdeutsch gēr in der Bedeutung ‚Speer’ konnte dann allerdings mittels verschiedener Suffixe bzw. Nachsilben weitergebildet werden. Im Falle von Gerler/Görler/Goerler wurde -(e)l und dann noch -er angefügt: Gereler, mit Ausfall des unbetonten e (sog. Synkope) Gerler. Die (heutigen) Formen mit ö bzw. oe sind Produkte der Kanzlei, sog. Rundungen. In Gebieten – dazu gehört auch der vogtländisch-ostthüringische Raum – mit Entrundung (in der Mundart wurden ö, ü, eu zu e, i, ei „entrundet“ (Aufgabe der Lippenrundung, vgl. Leffel statt Löffel, miede statt müde, Leit statt Leute usw.). Dadurch wurden die Schreiber in den Kanzleien unsicher, weshalb sie oft ein vermeintliche Rundung fälschlicherweise wiederhergestellt haben: Görler statt Gerler. "

User offline. Last seen 3 Stunden 31 Minuten ago. Offline
Experte!Moderator
Beigetreten: 31.12.2005
Beiträge: 4546

Emmi-Ho schrieb:

Hallo Tarzius und interessierte Forumnutzer,

noch besten Dank Tarzius für die Buchhinweise. Ich weiß nun mehr über den Namen Gerler/Görler und möchte die Antwort von Dr. Dr. Hellfritzsch hier kundtun:

"der von Ihnen genannte Name wird aus dem thüringischen Vogtland stammen. Wie die heutige Verbreitung auf Grund der Telefonbücher zeigt, liegt sein Schwerpunkt tatsächlich in Gera und Umgebung. Im sächsischen Vogtland gehört er jedenfalls nicht zu den alteingesessenen Familiennamen. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass es sich um einen sog. Herkunftsnamen zum Namen der Stadt Gera handelt. Eine Beziehung zum Ortsnamen Görlitz möchte ich ebenso wie eine Herleitung von der Berufsbezeichnung Gürtler aus strukturellen Gründen ablehnen. Dennoch favorisiere ich die bereits bei Heintze-Cascorbi und von Ihnen aufgegriffene Erklärung: Man wird, wie es Belege zeigen, vom Stammvokal e ausgehen müssen:

-  1512 Nickel Gerler, 1552 Paul Gerler, Valten Gerler, Lorenz Gerler, alle zu Göttendorf, Hohenleuben- Reichenfels (M. Frotscher: Landbethe-Register Amt Schleiz von1512 und 1552, in: Mitteldeutsche Familienkunde 7 (1966), S. 440f.

-  zwischen 1600 und 1800 Gerler in einer Einwohnerkartei des Gebietes um Weida und Neustadt a. O. (Thür. Sippe 7 (1941), S. 55.)

Damit werden wir auf eine alte patronymische, d. h. nach dem Rufnamen des Vaters gebildete Form verwiesen. Auszugehen ist demnach von einem alten deutschen (das Germanische müssen wir dafür nicht herbeiholen) zweigliedrigen Rufnamen Ger-hard, Ger-lach, Ger-old, Ger-fried usw. Solche Namen wurden häufig um das zweite Glied gekürzt. Das verbleibende Erstglied althochdeutsch/mittelhochdeutsch gēr in der Bedeutung ‚Speer’ konnte dann allerdings mittels verschiedener Suffixe bzw. Nachsilben weitergebildet werden. Im Falle von Gerler/Görler/Goerler wurde -(e)l und dann noch -er angefügt: Gereler, mit Ausfall des unbetonten e (sog. Synkope) Gerler. Die (heutigen) Formen mit ö bzw. oe sind Produkte der Kanzlei, sog. Rundungen. In Gebieten – dazu gehört auch der vogtländisch-ostthüringische Raum – mit Entrundung (in der Mundart wurden ö, ü, eu zu e, i, ei „entrundet“ (Aufgabe der Lippenrundung, vgl. Leffel statt Löffel, miede statt müde, Leit statt Leute usw.). Dadurch wurden die Schreiber in den Kanzleien unsicher, weshalb sie oft ein vermeintliche Rundung fälschlicherweise wiederhergestellt haben: Görler statt Gerler. "

 

Hallo

Vielen Dank für Deine Angaben zum Namen Görler. Diese bestätigen, wenn auch nicht zu 100%, dass Du gegenüber Deinem Verwandten recht hattest.