Dinglingen

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Ein weiterer Gewannenname der mir hier ins Auge gestochen ist. 

Es gibt sowohl "In Dinglingen" als auch "Ober Dinglingen". Die Gewannen liegen weit außerhalb des besiedelten Bereiches. Ich dachte dabei zunächst an eine ehemalige Siedlung (Wüstung). Bekannt ist davon aber im Ort nichts. Immerhin gibt es offenbar in BaWü am Oberrhein einen Ort mit Namen Dinglingen. Spontan erinnerte mich der Name an das bayerische Dingolfing. 

 Vielleicht kann die etymologische Herleitung von Dinglingen ja auch eine andere Erklärung liefern, warum ein Gewanne mit heutzutage lauter landwirtschaftlichen Feldern so einen Namen trägt. 

User offline. Last seen 5 Tage 23 Stunden ago. Offline
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Willy Weinkopf schrieb:

Ein weiterer Gewannenname der mir hier ins Auge gestochen ist. Es gibt sowohl "In Dinglingen" als auch "Ober Dinglingen". Die Gewannen liegen weit außerhalb des besiedelten Bereiches. Ich dachte dabei zunächst an eine ehemalige Siedlung (Wüstung). Bekannt ist davon aber im Ort nichts. Immerhin gibt es offenbar in BaWü am Oberrhein einen Ort mit Namen Dinglingen. Spontan erinnerte mich der Name an das bayerische Dingolfing. Vielleicht kann die etymologische Herleitung von Dinglingen ja auch eine andere Erklärung liefern, warum ein Gewanne mit heutzutage lauter landwirtschaftlichen Feldern so einen Namen trägt. 

 

Hallo,

 wie bereits erwähnt gibt es nicht einfach so mal über alle Flurnamen schriftliche Aufzeichnungen in Form von Bücher, daher wäre es angebracht mal den (einen) Ortshistoriker zu Rate zu ziehen.

Die Begriffe Gewann (süddeutsch auch Gewand), beziehungsweise Gewann(e)flur, bezeichnen eine Flurform, die vor allem in Folge der zelgengebundenen Dreifelderwirtschaft und des Erbrechts entstand………………Gewannfluren sind typisch für den Südwesten Deutschlands sowie Mitteldeutschland, sie finden sich etwa im Oberrheingraben, im Neckar- und Rheinland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Unter- und Mittelfranken, in den Hellweg-, Hildesheimer und Magdeburger Börden sowie im Mittelgebirge. In allen diesen Teilen wurde Realerbteilung praktiziert. Die Realerbteilung erfolgte bei den Grundstücken immer in Längsrichtung…………usw.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gewann

Es gibt auch Bücher darüber: z.B.:

http://sho.rtlink.de/Gewann

Die Herkunft der französischen Gewannfluren……………..

http://sho.rtlink.de/Gewann2

Usw..

Dinglingen Ortsname:

Als Villa Tuntelinga wurde Dinglingen 961 n. Chr. durch Kaiser Otto I. erstmals urkundlich erwähnt. Der Name soll von Tuntilo kommen (Angehörige des Alemannen Tuntilo)………………………

http://dinglingen.de/

 

ON Dinglingen in ausgewählten alten Urkunden  Ortsnamen Dinglinger im Gebetsverbrüderungsbuch des Klosters St. Gallen Dinglingen im Tennenbacher .......

http://www.dinglingen.de/buch.htm

Und dabei handelt es sich um folgendes Buch:

http://www.amazon.de/Dinglingen-Dorf-Schutterlindenberg-Eine-Ortsgeschichte/dp/toc/3863720008

 

Jedoch Flurnamen gebildet mit Ding- sind nicht selten. Z.B. Ding Wiese od. Auf dem Dinge Weg (z.B. in Hessen) usw..

Ahd. ding- = Gerichtsplatz; Versammlung, Gerichtstag, Gerichtsverhandlung u.ä..

Dazu eine Kopie aus dem Mhd.- WB:

dingen: swv. (BMZ I. 337b)gericht halten (Ssp. 2. 10,5; 3,69. 70 etc.), vor gericht reden, verhandeln, seine sache führen (Parz.);mit einem unterhandeln Walth. 78,21;einem vor gericht seine sache führen, ihn unterstützen Loh.;appellieren Leys. (wann sich ainer ains rechtsspruchs und urtail beswärt bedunkt, der mag darumb dingen für die herschaft Dh. 87);sich besprechen, unterhandeln, einen vertrag, vergleich, frieden schliessen, oft in den rechtsdenkm. u. urk. (stehende formel: eʒ ist geredet und gedinget z. b. Mz. 1,263. 306. 319. 328 etc.). do dingten sie zuosamen Kell. erz. 398,15. die pers. mit präp. mit (wer hinder den burgern sedelhaft ist, daʒ der niht dingen sol mit dekainem schedlichen man Np. 24. umb fünfhunder tûsent marc dingete er mit den herren Apoll. 18993); zuo einem d., sich anheischig machen ihm zu dienen Rul.; —vor gericht laden, citieren Halt.;appellieren, sîn urteil in den rât ziehen und dingen Chr. 4. 144,31;durch verhandlung festsetzen: ausbedingen Wig. (daʒ dehein vorsprech deheinen gedingten phenning nem Mw. 217,96 1300), mieten Myst. gedingte knehte Mone z. 2,158. hirten dingen Ad. 980, vertragsmässig abschliessen, wir haben al den kouf gedinget, daʒ wir müeʒen hinnen varn Msh. 3,43b, abkaufen, verkaufen, als eigen überlassen, man sol das vih niht dingen ê eʒ auf den viehmarkte kümt Np. 324. chein tuch verchaufen noch dingen ib. 164. hiute oder fel dingen St. (statuten der gerberzunft in Reutlingen, ende des 13. jh.); brandschatzen, herr Jone hat Turnow gedinget und ander dörfer und sust och eine nome genomen Ugb. 500 s. 607 (vgl. dincnus, dincsal); mit dat. d. pers. versprechen Jud. (unterhandeln? Walth. 78,21); mit präp. mit: ist daʒ uns der sig gevelt, wir wellen mit in dingen (vertragsmässig theilen?) alliu kristenlîchiu lant Loh. 4837.mit abe, an (angedingter fürleger, gerichtlich aufgestellter anwalt Mone z. 2,7), în, under, ûʒ; be-, er-, ge-, hinder-, ver-;

 

Oder im G.W.B.:

Dinge: das wort hat im ahd. eine weite bedeutung, dingjan heiszt sperare, aber auch conducere (miethen), ferner appellare, judicare, disceptare Graff 5, 186. dingôn judicare, concionari, disceptare, dann auch colloqui, stipulari. gadingôn pacisci, judicare, convenire, contendere. man sieht wie die bedeutungen sich auseinander entwickeln, die ursprüngliche war wol mündlich verhandlen, zumal in einer versammlung, in dem gericht, bei dem abschlusz eines vertrags. sperare, um etwas flehen in der hoffnung es zu erhalten, haftet nur bei dingjan, gadingjan. in dem mhd. dingen gedingen dauern diese bedeutungen fort; s. Ben. 1, 336—340. in dem nhd. mindern sie sich.

2. im nhd. nach dem 16ten jahrhundert selten für verhandeln vor gericht, eine rechtssache vor den höhern richter bringen, oder für recht sprechen, urtheilen.

 

Auch lesen:  Das Ding ahd. Thing war die Grundlage ... Alle Freien waren zur Teilnahme verpfl ichtet, deshalb ungebotenes Ding.  Zu Sondersitzungen .... Das ist ein Hinweis auf das so genannte Freigeding, d.h. Gerichtsplatz. Im Volksmund wurde der Ort .

http://amtsgericht-weinheim.de/servlet/PB/menu/1178481/index.html?ROOT=1165484

 

Fast grundsätzlich lassen sich Flurnamen mit “Alten-” mit den Kelten in Verbindung. bringen, während mit ... ding: Versammlungsstätte, Opferplatz…………………..

http://www.sondengaenger.de.tl/Flurnamen.htm

 

Usw..

 

 

Zum ON Dingolf-ing noch kurz: der liegt einen Rufnamen wie Thingolf/ Tingulf/Dingolf zu grunde. Das Suffix –ing (u.a.) nennt man auch "Zugehörikeitssuffix". (zum Ortsgründer bzw. der Sippe des ...)

Ortsnamen Endungen mit   -(l)ing, -ingen, -inger, gibt's in D, und anderswo, wie "Sand am Meer".