2.Jun.2020

Warum es sieben Wochentage gibt

Planeten für Wochentage

Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tage sollst du ruhen“, heißt es im schon im Alten Testament. Seither ist zwar die Zahl der Arbeitsstunden deutlich gesunken; für viele ist auch der Samstag frei (das auch erst seit gut 50 Jahren). Grundsätzlcih unterteilen wir die Woche aber in sechs Arbeitstage und einen Feiertag. Sieben Tage hat sie. Aber warum eigentich sieben? War das schon immer so?

Die Einteilung des Jahres in Tage, Wochen und Monate geht auf die orientalischen Hochkulturen zurück. Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. ordneten die Babylonier die Wochentage den mit bloßem Auge zu erkennenden Planeten des geozentrischen Weltbildes zu: Sonne, Mond, Mars. Merkur, Jupiter, Venus, Saturn.

Diese waren zudem babylonischen Gottheiten zugeordnet: Šamaš (Sonnengott), Sin (Mondgott), Ninib (Sonnengott), Nabu (Gott der Schreibkunst und Weisheit), Marduk (Stadtgott von Babylon), Ištar (Gott des sexuellen Begehrens, Kriegsgott), Nergal (Gott der Unterwelt).

Die Juden übernahmen den babylonischen Kalender und damit auch die Siebentagewoche, die die zuvor verwendete Fünftagewoche verdrängte, wahrscheinlich bereits um 1600 v. Chr. 

Die Woche bei der Griechen

Aber auch bei den Griechen etablierte sich die babylonische Siebentagewoche. So findet sich beispielsweise die Verknüpfung zwischen den sieben klassischen Planetengottheiten und der Siebentagewoche im Anthologiarum von Vettius Valens (etwa 170 v. Chr.). Die Griechen ersetzten aber bei den Wochentagsbezeichnungen die babylonischen Gottheiten durch ihre eigenen. So wurde beispielweise Ištar durch die griechische Göttin Aphrodite ersetzt.

Die Siebentagewoche im Römischen Reich

Aus Griechenland gelangten diese „griechisierten“ Wochentagsbezeichnungen unter dem Einfluss der von den Römern sehr geschätzten Chaldäer (Astronomen aus Mesopotamien) ins römische Reich, wo bis zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich die Achttagewoche bekannt war.
Diese war einem damals üblichen Rhythmus angeglichen, da an jedem achten Tag – am sogenannten nundinae (von novem dies, dt. „neun Tage“, aufgrund der in der Antike üblichen Inklusivzählung) - Markt abgehalten wurde und alle Bauern aus der Umgebung in die Stadt strömten, um ihre Waren zu verkaufen. Der Zeitraum zwischen zwei Markttagen wurde als nundinum bezeichnet, während einzelne Wochentagsbezeichnungen fehlten. Im Alltag wurden die Tage bis zum nächsten Markttag einfach abgezählt, auch wenn in Kalendern die Bezeichnung A bis H zu finden ist.

Unter Augustus wurde diese frührömische Woche als septima durch die babylonische Siebentagewoche ersetzt. Zugleich wurden die griechischen Gottheiten durch römische Entsprechungen ausgetauscht. So wurde beispielsweise aus der griechischen Bezeichnung Aphrodites hēmera (hēmera stammt von der Göttin des Tages Hermera) für den sechsten dies veneris (Tag der Venus) im Lateinischen. Unter Augustus war bis zum 3. Jh. n. Chr. allerdings noch der dies saturni der erste Tag der Woche. Erst unter Konstantin dem Großen etablierte sich 321 n. Chr. der dies solis als erster Wochentag. Zugleich erklärte er den Sonntag in Analogie zum jüdischen Sabbat zum Ruhetag.

Nachdem sich die Siebentagewoche mit ihren Wochentagsbezeichnungen im gesamten römischen Reich etabliert hat, gelangte diese durch Handel und Eroberungen in germanische und keltische Gebiete und schließlich bis nach Britannien und Skandinavien.

Wochentage bei den Germanen

Auch die Germanen ersetzen die römischen Götter in den Wochentagsbezeichnungen durch eigene Gottheiten. Hier wurde beispielweise die Venus (vormals Ištar, dann Aphrodite) durch die germanische Entsprechung Frija ersetzt. In der Literatur wird davon ausgegangen, dass die Ausbildung dieser germanischen Wochentagsbezeichnungen spätestens im 4. Jh. n. Chr. stattgefunden hat, vereinzelte Belege sind aber bereits im 2. Jh. n. Chr. anzutreffen.

Im Rahmen der Christianisierung (erste Versuche ab dem 6. Jh., dauerhafte Christianisierung ab dem 12. Jh.) wurde versucht, die in den Wochentagsbezeichnungen enthaltenen heidnischen Gottheiten (germanisch oder römisch) durch christliche Heilige oder den aus der Liturgie bekannten Zählnamen zu ersetzen. Dies gelang im deutschsprachigen Raum allerdings lediglich in Bezug auf den Mittwoch und Samstag. Ansonsten haben sich die alten germanischen Wochentagsbezeichnungen bis heute gehalten, wenngleich verschiedene Sprachangleichungen stattgefunden haben.

Es gab seitdem auch immer wieder Reformversuche in Bezug auf die Siebentagewoche, die partiell auch die Wiedereinführung der Fünftageswoche inkludierten. Diese scheiterten in der Regel aber am Widerstand der Kirche, die der mit dieser einhergehenden Abschaffung des Sonntags als „Tag des Herrn“ entgegenstand.

Und was steckt nun hinter den einzelnen Wochentagsbezeichnungen; wie sind sie die Wochentage zu ihren Namen gekommen? Weiter...