Klotzsche

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Beigetreten: 29.09.2009
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:roll: Hallo, ich bin beim erforschen des Familiennamens Klotzsche auf einen Zeitungsartikel gestoßen. Der Dresdner Anzeiger berichtet am 6. Dezember 1936 in der Rubrik "Briefkasten" folgendes:
„In der Schule sind uns früher alle Ortsnamen Ostdeutschlands, die nicht offensichtlich deutsch waren, als slawisch erklärt worden. Wenn nun aber die slawische Besiedlung, wie ich letzthin im „Dresdner Anzeiger“ las, höchstens zwei Jahrhunderte gedauert hat, während vorher und nachher jahrtausendelang germanische Besiedlung nachweisbar ist, wie ist dann das Vorkommen slawischer Namen wie >Klotzsche< zu erklären?“
„Sie decken da einen für die deutsche Vorgeschichte und Frühgeschichte sehr wichtigen Punkt auf. Wir können gerade am Beispiel des Ortes Klotzsche beweisen, dass leider auf dem Gebiete der Namenerklärung viel zu sehr mit Vermutungen gearbeitet worden ist.
Fast alle Ortsnamen haben sich im Munde der Bevölkerung sehr gewandelt. So liegt aus dem Jahre 1309 eine Urkunde vor, die den Ort Kloiczowe nennt. Im Jahre 1400 schreibt ein Chronist den Ort, nach dem Gehör natürlich, Klutsch. 1501 tauchte Klotzsche mit der damals so beliebten lateinischen Endung auf „a“ auf: Klotzscha. Nun suchte man nach einer Namenserklärung, gab sich keine Mühe im Deutschen Wörterbuch nachzusehen, sondern machte die Sache möglichst gelehrt, wälzte slawische Wörterbücher und fand ähnlich klingende Worte. Die Mode war bequem und es ließen sich dadurch höchst gelehrte Bücher schreiben. Bis in die neueste Zeit. Einer fand das altslawische Wort Kljucu (Baumstumpf), ein anderer fand das slawische Wort Kluciti (Urbarmachen, Roden), ein dritter leitete Klotzsche vom slawischen Cluc (Quelle) ab. Keiner überlegte sich, dass in Klotzsche niemals slawische Funde aufgedeckt worden sind und dass alle Gehöfte wie die ganze Dorfanlage offenbar fränkisch sind, dass also auch der Name deutsch sein dürfte!
Wir behaupten, dass die Endsilbe „owe“ des 1309 bezeugten Namens Kloiczowe genau so ausgesprochen worden ist wie „Aue“, dass sie also deutsch ist; und dass die Silbe Klotzsch von Chlodwig abzuleiten, also ebenfalls deutsch ist. Beweis ist die ganz allgemein festzustellende Einfügung von Zischlauten in deutsche Eigennamen, wie folgt: aus Friedrich wurde Fritz, Fritzsch; aus Konrad Kunz, Kunze, Kuntzsch; aus Heinrich Hinz, Heinz, Hientsch; aus Dietrich Dietz, Dietze, Dietsch; aus Johannes Hans, Hansch, Hänsch, Häntzsch; aus Berthold Bertsch; aus Barthel Bartsch; aus Ludwig Lutz, Lutsch; aus Chlodwig Kloß, Klotz, Klotzsch und Klotzsche. Und so weiter. Das sind doch alles deutsche Namen! Zischlaute wurden früher als Beweis für slawische Ableitung betrachtet; dass dies falsch ist, glauben wir dargelegt zu haben. Neben Heinrichsaue und Friedrichsau steht also Chlodwigsaue = Klotzsche. Man wird für viele andere bisher falsch gedeutete Personen-, Familien- und Ortsnamen die echte deutsche Ableitung feststellen können. Suchet, so werdet ihr finden!“

Ein ganz interessanter und nicht abwegiger Aspekt. Was soll der Heimatforscher von 2009 dazu sagen? Scheinbar handelt es sich hier um eine erfundene Leserbriefeinsendung und die entsprechend getürkte Antwort seitens der Redaktion oder eines von der NS-Partei Beauftragten. Ganz von der Hand zu weisen sind diese Argumente sicher nicht, denn der Familienname „Klotzsche“ ist weit verbreitet und ihn gibt es schon sehr lange (1450 in Meißen). Die NS-Regierenden ließen jedoch keine Gelegenheit aus um nachzuweisen, dass deutsches Land nur von Deutschen (Germanen) besiedelt und urbar gemacht werden konnte. Die slawischen Völker und das slawische Wesen passten einfach nicht in ihr Konzept. Beispielhaft dafür ist die Verfahrensweise mit Rähnitz. 1268 urkundlich erstmals altsorbisch als „Ranis“ erwähnt, heißt das alte Bauerndorf seit 1812 „Rähnitz“. Obwohl bereits 1919 aus Verwaltungsgründen mit Hellerau vereinigt, war die Ortsbezeichnung bis 1938 immer noch „Rähnitz-Hellerau“. Erst infolge der Germanisierungsbestrebungen des NS-Regimes wurde 1938 der Ortsname Rähnitz getilgt und die Gartenstadt Hellerau als Hellerau I und Rähnitz als Hellerau II bezeichnet. Besonders aber aus den Bodenfunden slawischer Kultur, Urnen, Waffen, Schmuck, die im Bereich von Altklotzsche, in der Gegend des Bahnhofs und am Neuen Friedhof gemacht wurden, ist zu schließen, dass slawische Siedler unseren Ort gründeten. Der Vergleich mit in anerkannter Literatur veröffentlichter Grundrisse von nachweisbar slawischen Ursiedlungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit dem von Altklotzsche, ergibt weitgehende Übereinstimmung.
Vielleicht hat jemand dazu einen Diskussionsbeitrag? :oops:

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Siegfried Bannack wrote::roll: Hallo, ich bin beim erforschen des Familiennamens Klotzsche auf einen Zeitungsartikel gestoßen. Der Dresdner Anzeiger berichtet am 6. Dezember 1936 in der Rubrik "Briefkasten" folgendes:
„In der Schule sind uns früher alle Ortsnamen Ostdeutschlands, die nicht offensichtlich deutsch waren, als slawisch erklärt worden. Wenn nun aber die slawische Besiedlung, wie ich letzthin im „Dresdner Anzeiger“ las, höchstens zwei Jahrhunderte gedauert hat, während vorher und nachher jahrtausendelang germanische Besiedlung nachweisbar ist, wie ist dann das Vorkommen slawischer Namen wie >Klotzsche< zu erklären?“
„Sie decken da einen für die deutsche Vorgeschichte und Frühgeschichte sehr wichtigen Punkt auf. Wir können gerade am Beispiel des Ortes Klotzsche beweisen, dass leider auf dem Gebiete der Namenerklärung viel zu sehr mit Vermutungen gearbeitet worden ist.
Fast alle Ortsnamen haben sich im Munde der Bevölkerung sehr gewandelt. So liegt aus dem Jahre 1309 eine Urkunde vor, die den Ort Kloiczowe nennt. Im Jahre 1400 schreibt ein Chronist den Ort, nach dem Gehör natürlich, Klutsch. 1501 tauchte Klotzsche mit der damals so beliebten lateinischen Endung auf „a“ auf: Klotzscha. Nun suchte man nach einer Namenserklärung, gab sich keine Mühe im Deutschen Wörterbuch nachzusehen, sondern machte die Sache möglichst gelehrt, wälzte slawische Wörterbücher und fand ähnlich klingende Worte. Die Mode war bequem und es ließen sich dadurch höchst gelehrte Bücher schreiben. Bis in die neueste Zeit. Einer fand das altslawische Wort Kljucu (Baumstumpf), ein anderer fand das slawische Wort Kluciti (Urbarmachen, Roden), ein dritter leitete Klotzsche vom slawischen Cluc (Quelle) ab. Keiner überlegte sich, dass in Klotzsche niemals slawische Funde aufgedeckt worden sind und dass alle Gehöfte wie die ganze Dorfanlage offenbar fränkisch sind, dass also auch der Name deutsch sein dürfte!
Wir behaupten, dass die Endsilbe „owe“ des 1309 bezeugten Namens Kloiczowe genau so ausgesprochen worden ist wie „Aue“, dass sie also deutsch ist; und dass die Silbe Klotzsch von Chlodwig abzuleiten, also ebenfalls deutsch ist. Beweis ist die ganz allgemein festzustellende Einfügung von Zischlauten in deutsche Eigennamen, wie folgt: aus Friedrich wurde Fritz, Fritzsch; aus Konrad Kunz, Kunze, Kuntzsch; aus Heinrich Hinz, Heinz, Hientsch; aus Dietrich Dietz, Dietze, Dietsch; aus Johannes Hans, Hansch, Hänsch, Häntzsch; aus Berthold Bertsch; aus Barthel Bartsch; aus Ludwig Lutz, Lutsch; aus Chlodwig Kloß, Klotz, Klotzsch und Klotzsche. Und so weiter. Das sind doch alles deutsche Namen! Zischlaute wurden früher als Beweis für slawische Ableitung betrachtet; dass dies falsch ist, glauben wir dargelegt zu haben. Neben Heinrichsaue und Friedrichsau steht also Chlodwigsaue = Klotzsche. Man wird für viele andere bisher falsch gedeutete Personen-, Familien- und Ortsnamen die echte deutsche Ableitung feststellen können. Suchet, so werdet ihr finden!“

Ein ganz interessanter und nicht abwegiger Aspekt. Was soll der Heimatforscher von 2009 dazu sagen? Scheinbar handelt es sich hier um eine erfundene Leserbriefeinsendung und die entsprechend getürkte Antwort seitens der Redaktion oder eines von der NS-Partei Beauftragten. Ganz von der Hand zu weisen sind diese Argumente sicher nicht, denn der Familienname „Klotzsche“ ist weit verbreitet und ihn gibt es schon sehr lange (1450 in Meißen). Die NS-Regierenden ließen jedoch keine Gelegenheit aus um nachzuweisen, dass deutsches Land nur von Deutschen (Germanen) besiedelt und urbar gemacht werden konnte. Die slawischen Völker und das slawische Wesen passten einfach nicht in ihr Konzept. Beispielhaft dafür ist die Verfahrensweise mit Rähnitz. 1268 urkundlich erstmals altsorbisch als „Ranis“ erwähnt, heißt das alte Bauerndorf seit 1812 „Rähnitz“. Obwohl bereits 1919 aus Verwaltungsgründen mit Hellerau vereinigt, war die Ortsbezeichnung bis 1938 immer noch „Rähnitz-Hellerau“. Erst infolge der Germanisierungsbestrebungen des NS-Regimes wurde 1938 der Ortsname Rähnitz getilgt und die Gartenstadt Hellerau als Hellerau I und Rähnitz als Hellerau II bezeichnet. Besonders aber aus den Bodenfunden slawischer Kultur, Urnen, Waffen, Schmuck, die im Bereich von Altklotzsche, in der Gegend des Bahnhofs und am Neuen Friedhof gemacht wurden, ist zu schließen, dass slawische Siedler unseren Ort gründeten. Der Vergleich mit in anerkannter Literatur veröffentlichter Grundrisse von nachweisbar slawischen Ursiedlungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit dem von Altklotzsche, ergibt weitgehende Übereinstimmung.
Vielleicht hat jemand dazu einen Diskussionsbeitrag? :oops:

Hallo,

mal einfach zum lesen:

http://www.onomastik.com/node/#comment-