Beisiegel

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User offline. Last seen 9 Jahre 36 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 27.03.2007
Beiträge: 17

Beisiegel gibt es nicht allzu viele, sie scheinen ihren Ursprung im Bereich Bad Kreuznach zu haben. Der früheste, den das WWW ausspuckt, lebte im 17. Jahrhundert in Traisen bei Kreuznach. Das ist ein Weinbauort an der Nahe.

Die Schreibvarianten Beysiegel, Beisigel, Beysigel sind mir auch schon begegnet.

Was kann dieser Name bedeuten? Darf ich das augenfällige Siegel annehmen und dann so eine Art Nebensiegel vermuten? Was auf einen Siegler hinweist? Oder steckt da was ganz anderes hinter? Der Beiss-Igel macht keinen Sinn, auf Beisig kürzen brachte mich auch nicht weiter.

Hat da jemand eine schlüssige Erklärung zu?

Herzlichen Dank im voraus! Ihr habt mir schon bei so vielem weiterhelfen können, vielleicht gelingt es auch hier wieder :-D

User offline. Last seen 7 Jahre 29 Wochen ago. Offline
Experte!Moderator
Beigetreten: 30.01.2006
Beiträge: 1553

Hallo!

Zunächst einmal, Norbert Beisiegel hat sich in Obermoschel um die Ortsfamilienbücher gekümmert, bzw. tut dies noch:

http://www.online-ofb.de/obermoschel/

Der älteste Eintrag (Beisiegel), den ich finden konnte, war 1680 in Rüdesheim, weiter bin ich nicht gekommen. Ich habe deshalb einmal nachgesehen, weil ich einen Hinweis auf Bahlow fand, der diesen Namen in seinem "schlesischen Namenbuch" stehen haben sollte. Leider liegt mir dieses Buch nicht vor.

Es gibt allerdings auch vielleicht eine ganz einfache Erklärung, man hat das "l" vergessen und es sollte eigentlich "Bleisiegel" heißen...

http://de.wikipedia.org/wiki/Bleisiegel

...leider gibts diesen Familiennamen nicht.

Vielleicht hat ja jemand dieses Buch zur Hand und kann mal nachsehen.

Gruß
Dinomaus28

User offline. Last seen 11 Jahre 48 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 13.10.2008
Beiträge: 3

hallo
hake mich kurzerhand in die Diskussion ein
befasse mich seit ca. einem Jahr mit der Suche nach den "BEYSIEGEL"´s
nachdem ich ich einen Recht üppigen Fundus zusammengetragen habe
habe zufälliger Weise das ganze letzte Wochenende
mit der Erstellung eines Stammbaums zu gebracht. Somit kommen mir Eure Beiträge insbesonder die Links sehr gelegen.
Wenn das kein günstiger Zufall ist.
Bin lückenlos von den Beysiegel aus Braubach über 11 Generationen durchgängig mit der Schreibweise mit "Y" über
Linie Kaub - Kreuznach bis Rüdesheim zu eben diesem Johann "Hans" Conrad Beysiegel gekommen.
Ziel ist es natürlich möglichst alle Zweige zu erfassen.
Tatsächlich Abweichungen der Schreibweise von Y zu I habe ich erst ab dem Familienzweig aus Mandel nachweisen können. Es gibt aber auch viele Doppeleinträge mit beiden Schreibweisen. Der Abgleich Personendaten mit beiden Schreibweisen ist zwingend erfoderlich.
Außerdem hab ich auch die Kaub-Hanauer-Linie u.a. in der Schreibweise Beisiegel/Beisigl.

Der Link Obermoschel ist super!!! So habe ich auch Pillip I. als unklares Bindeglied wiederentdeckt...

Bin für jeden Tipp dankbar.

LG
Sandra Beysiegel

User offline. Last seen 11 Jahre 48 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 13.10.2008
Beiträge: 3

"Bleisiegel"

"den Namen gibt es leider nicht..."

den Familiennamen gibt es offensichtlich doch.
habe aus jux und dallerei den namen gesucht
und bin nach drei minuten fündig geworden

Prof. Dr. Ulrike Bleisiegel
Direktorin des Instituts für Molekulare Zellbiologie, Zentrum für Experimentelle Medizin, Sprecherin des Ombudsman der DFG, Mitglied des Wissenschaftsrates, Fachgutachterin der DFG, Mitglied im Senatsausschuss Evaluation der Leibnitz-Gesellschaft.

http://www.metropolis-verlag.de/Probleme-des-Berufsethos-und-der-%C2%84guten%C2%93-wissenschaftlichen-Praxis-in-den-Biowissenschaften/10670/book.do

was soll ich da sagen??? donnerlütt!
und nein...es handelt sich mit sehr großer wahrscheinlichkeit nicht unm einen schreibfehler
Frau Bleisiegel hat eine beachtliche anzahl von veröffentlichungen
und wird immer "Bleisiegel" geschrieben

LG
Tschersi

User offline. Last seen 9 Jahre 36 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 27.03.2007
Beiträge: 17

Ein Schreibfehler kann es trotzdem sein, z. B. beim Standesbeamten. Der Fußballer Roger Milla aus Kamerun oder so hatte Eltern namens Miller. Ich kenne auch eine Familie mit einem französischen Nachnamen, in der sich der Sohn mit ö schreibt und der Rest der Familie mit eu ...

Dass es früher ein Bleisiegel war, glaube ich weniger, das wären dann nur vereinzelte Fehler gewesen. Der Link oben, in dem Beisiegel als "Nebensiegel" verwendet wird, überzeugt mich, dass es das auch gegeben hat. Kreuznach war zur Entstehung der Nachnamen Königshof, also hat man im näheren Umfeld Verwendung für Siegel gehabt.

Ich neige momentan dazu, die Bedeutung wörtlich zu nehmen.

User offline. Last seen 11 Jahre 48 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 13.10.2008
Beiträge: 3

die Theorie mit dem "Beisiegel" erscheint mir auch plausibel und entspricht auch der Vermutung unserer Namensträger....

Auch ist es durchaus denkbar, dass es sich bei der verschiedenen Schreibweisen um Fehler, wenn nicht sogar arroganter Wortschöfpungen
von Standesbeamten und Kirchenschreibern handelt.

Da brauch man gar nicht weit zu gehen...die gibt es heute auch noch.
Aus eigener Praxis:
Habe Klienten, die sich selbst über Generationen mit "ck" schreiben, dank eines Standesbeamten vor ca. 40 Jahren, haben wir eine Familie, die einen werden mit "ck" die anderen jetzt nur mit "k" geschrieben.

Ein anderes Beispiel: ein Bekannter von mir heißt Lambrecht. Sein Opa wurde noch Lam"p"recht geschrieben, so wie die Generationen davor.
Der Standesbeamte der die Geburtsurkunde des Sohnes schrieb, beharrte auf die Schreibweise mit "b". Trotz Beschwerden und Eingaben seines Opas blieb es dabei.
Einer meiner Onkel hieß sein lebenlang Szuchalski (eindeutig polnisch), dank einer findigen Standesbeamtin hieß er mit über siebzig plötzlich Schukalski. Trotz seiner Beschwerden und Eingaben blieb es dabei.

Oder ganz aktuell, die Kreativität einiger Standesbeamten bei der Namensfindung von Spätaussiedlern, die ich auch als Klienten hab...
Da ich Russisch gelernt habe, kringeln sich mir hier oftmals die Fuß- und Fingernägel, welch seltsame Namensschöpfungen einige Standesbeamten nach gut dünken und Kraft ihrer Wassersuppe aus den kyrillischen Schreibweisen eindeutschend zaubern...
Das wirklich Schlimme dabei ist, dass man diese Fehler nur sehr selten wieder korregieren lassen kann, da Standesbeamte Fehler gern übernehmen und auf deren Richtigkeit beharren. Ein Beamter irrt nicht!!!

LG
Tschersi

User offline. Last seen 5 Stunden 29 Minuten ago. Offline
Experte!Moderator
Beigetreten: 31.12.2005
Beiträge: 4588

djoefull wrote:Beisiegel gibt es nicht allzu viele, sie scheinen ihren Ursprung im Bereich Bad Kreuznach zu haben. Der früheste, den das WWW ausspuckt, lebte im 17. Jahrhundert in Traisen bei Kreuznach. Das ist ein Weinbauort an der Nahe.

Die Schreibvarianten Beysiegel, Beisigel, Beysigel sind mir auch schon begegnet.

Was kann dieser Name bedeuten? Darf ich das augenfällige Siegel annehmen und dann so eine Art Nebensiegel vermuten? Was auf einen Siegler hinweist? Oder steckt da was ganz anderes hinter? Der Beiss-Igel macht keinen Sinn, auf Beisig kürzen brachte mich auch nicht weiter.

Hat da jemand eine schlüssige Erklärung zu?

Herzlichen Dank im voraus! Ihr habt mir schon bei so vielem weiterhelfen können, vielleicht gelingt es auch hier wieder :-D

Hallo,

Vielleicht noch ein Hinweis?!

Es gab da mal einen Ort/ON Siegeln:

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts liegt die Entstehung. Grundstock bildeten die Orte Großenbuch und Siegeln oder Centsiegeln. Die Güter verschmolzen im Laufe der Jahrhunderte. Heute erinnert nur noch der Flurname „die Siegel“ bzw. „Siegelwiesen“ und der „Siegelbach“ unterhalb des Dorfes daran.

http://www.schwabachbogen.de/?p=27

Großenbuch liegt östlich von Neunkirchen am Brand (an der Straße nach Gräfenberg)

Wobei Du schreibst ja: Beisiegel gibt es nicht allzu viele, sie scheinen ihren Ursprung im Bereich Bad Kreuznach zu haben.

Dazu noch der "Hinweis" von Gottschald: Bey- zu Bei: So z.B. der Name Beykirch, Beikircher= i.S. bei der Kirche.

Die "Namensendung" -el, -l: FAMILIENNAMEN auf -el. -l sind vorallem für den oberd. Sprachraum charakteristisch, kommen aber auch im mittteld. Gebieten vor. (auch teilw. in der CH und Österr.)