Freisewinkel

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Kann mir jemand über den Ursprung des Namens Freisewinkel auskunft geben?
Habe da zwei Auskünfte :?: und wollte nun in einen spez. Forum nachfragen. :D

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lippold wrote:
Kann mir jemand über den Ursprung des Namens Freisewinkel auskunft geben?
Habe da zwei Auskünfte :?: und wollte nun in einen spez. Forum nachfragen. :D

 

Hallo,

Zum Namen Freisewinkel verz. G.G. (f. D) rund 60 Einträge in 20 vers. Landkr. verz.. Die Meisten im Ennepe-Ruhr-Kreis (NW).

Daneben liegt der Landkr. Soest und da ist a. 1419 ein Johan dey Vreyse verz..

Urkunde von 1419 bestätigt den Verkauf des Grundstückes von Johan dey Vreyse an Hermann.....

http://www.stefan-enste.de/ExterneDokumente/War.htm

Zu Friesewinkel sind es rund 20 Einträge in 8 vers. Landkr.. Die Meisten im im Landkreis Mettmann (NW). Also gleich nebenan.

Friesenwinkel= einen Eintrag im Landkreis Mettmann (NW).

 

zum Fam. Nam. eine WeBSeite von Hr. Ch. F. Seidler: seine private Homepage zum Fam. Nam. Freisewinkel:

Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1486: Derick Vryeswinckel aus "Sproeckhoevell" im "Ampt van Blankensteyne" zahlte lt. Schatzbuch der Mark 2 Ort (= 1/2 Gulden) Steuern.

Ursprungsort unserer Vorfahren: der Siedlungsplatz "Im Freisewinkel", dessen Name so viel bedeutet wie der Winkel, in dem Wasser gestaut wurde (mhd: "freysen" = stauen oder dämmen)

Siehe/lese dazu: Quelle: Hr. Ch. F. Seidler.

http://www.christianseidler.de/Familienforschung/freisewin/index.htm

http://www.christianseidler.de/Familienforschung/familienforschung.html

User offline. Last seen 12 Jahre 35 Wochen ago. Offline
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Bin mit Christian Seidler im persönlichen Kontakt. Die Daten die er zusammen gesucht hat sind gut.
Warscheinlich können wir meine Fam. bis ins 16.Jhd zurück verfolgen.

Aber was uns stutzen lässt ist, das in und um Sprockhövel und Hattingen micht mittel-deutsch sondern nieder-deutsch gesprochen wurde und im nieder-deutschen ist Freisewinkel anders zu übersetzen:Der Name Freisewinkel setzt sich aus dem Vrees für Frucht -(bar) und Winkel für Ecke zusammen also der fruchtbare Winkel. Die Ortsbezeichnung "Im Freisewinkel" in Sprockhövel ist ohne zweifel auf das Verhütten von Eisenerz zurück zu führen. das geschlecht ist aber älter as der Ort. leider habe ich die Quelle nicht zur Hand, doch die Freisewikel gab es schon um das jahr 1180 (dritter Kreuzzug).werde die Quelle nachreichen.

User offline. Last seen 5 Wochen 22 Stunden ago. Offline
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lippold wrote:

Bin mit Christian Seidler im persönlichen Kontakt. Die Daten die er zusammen gesucht hat sind gut.
Warscheinlich können wir meine Fam. bis ins 16.Jhd zurück verfolgen.

Aber was uns stutzen lässt ist, das in und um Sprockhövel und Hattingen micht mittel-deutsch sondern nieder-deutsch gesprochen wurde und im nieder-deutschen ist Freisewinkel anders zu übersetzen:Der Name Freisewinkel setzt sich aus dem Vrees für Frucht -(bar) und Winkel für Ecke zusammen also der fruchtbare Winkel. Die Ortsbezeichnung "Im Freisewinkel" in Sprockhövel ist ohne zweifel auf das Verhütten von Eisenerz zurück zu führen. das geschlecht ist aber älter as der Ort. leider habe ich die Quelle nicht zur Hand, doch die Freisewikel gab es schon um das jahr 1180 (dritter Kreuzzug).werde die Quelle nachreichen.

 

 

Hallo,

mir sind die Ausführungen aus den/m "anderen" Forum bekannt. (Irmgard)

Auch die Antwort bzw. Reakt. von Hr. Seidler darauf. Zitat/Kopie:

Hallo zusammen!

Also wenn ich diese Korrespondenz lese, fällt mir als erstes auf, dass hier sehr viel von mir (teilweise zusammenhanglos) zitiert wird, ohne dass ein einziges Mal die Quelle genannt wird.

Ich beschäftige mich zusammen mit anderen Familienforschern seit vielen Jahren mit der Erforschung der Familie Freisewinkel. Die Stammfolge ist bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nahezu lückenlos belegt. Man kann sie anschauen.

Ich beteilige mich gerne an einer auf Fakten basierenden Diskussion. Natürlich gebe ich gerne Auskünfte und freue mich über Hinweise, Ergänzungen, Korrekturen etc. Zitat Ende.

Ein paar "Gedanken" möchte ich noch hinzufügen:

Winkel: bez. nach der Wohnstätte: mhd., mnd., winkel= Winkel, Ecke, Hock- Ortsname usw. Ist Dir ja bekannt. (aus einem weiteren Forum) Und enspricht den Ausführungen des Duden, zum Fam.Nam. Winkel.

Reg. gibt es jedoch Unterschiede was die Bedeutung anbelangt: z.B. in Karlsruhe: Winkel bezeichnet Fluren, die auf ein Ende zulaufen.

Oder:

Wie sind aber die Namen Seidewinkel und Wollwinkel zu erklären? Das sind Berufsnamen des Krämers, der damit heimlich handelte, hergeleitet aus der anderen, abschätzigen Bedeutung von Winkel, die „Winkelprediger“, gegen die Luther wettert, und die späteren „Winkeladvokaten“. Von den Familiennamen, die von einer Wohnstätte im Winkel abgeleitet sind, ist Winkelmann der häufigste (etwa 14 000 Mal). Bekanntester Namensträger: der von Goethe hoch geschätzte Begründer der klassischen Archäologie, Johann Winckelmann.

Auch Bahlow schreibt beim Fam. Nam. Winkel: nach der Wohnstätte; WinklER auch zuweilen Krämer. (Besitzer eines Krämerladen)

Winkel: örtlichkeitsn. zu mnd. winkel=Winkel, Ecke; abseits gelegener Ort.

Siehe/lese dazu:

http://debatte.welt.de/kolumnen/39/was+sagt+der+name/52927/zumwinkel+ist+ein+winkelmann

Dt. Furcht: ndl. vrees.

Vrees ist auch der Name einer Gem. in Nieders. Urkndl. erstmal erwähnt im Jahre 947.

Kopie W.B.: Friesen, germanischer Völkerstamm an der Nordseeküste, ahd. Frieson, Friason, Frison; mhd., mndl, ndl. Vriesen, mnd. Vrêsen.
Firaîsoi in Südost-Skandinavien.

Zu Freis/Freise: Kopie aus G.W.B.:

FREIS,FREISE, f. tentatio, discrimen, periculum, ahd. freisa, mhd. vreise, alts. frêsa, nnl. vrees, vreeze, bair. frais, kärnt. frâs. fehlt bei FRISIUS, MAALER, DASYPODIUS. ahd.

in tôd ni gigiangin, noh in freisa niheina.
O. II. 6, 16;

thier fon thên freisôn retita.
III. 8, 49;

taჳ was imo freisa wider den chuning, das brachte ihm gefahr bei dem könig. N. Bth. 122; alts.

ne quam ic thi te ênigun frêsôn herôd.
Hel. 8, 10;

nis it im te oðron frêsôn giduan.
121, 20;

mhd. dô diu vreise zergienc
und ëჳ ze wëtere gevienc.
Iw. 673;

dô ër deheine vreise sach
wëder in dër burc noch dervor.
6184;

daჳ in harte wol sîn sëgen
gevrist vor aller vreise.
Greg. 3197;

in nam dër kurzen reise
grôჳ angest unde vreise.
Trist. 230, 2;

nu stêt dër recke Hartmuot vor Waten in grôჳer vreise.
Gudr. 1480, 3;

ëჳ lac ein ûr ûf jënre heide in wilden vreisen tôt.
Wartb. kr. Simr. 231, 6;

dën umbezôch ein grôჳer walt,
dër was nâch vreise gestalt.
krone 26206;

vil manigem recken geschiht
dër manic vreise muoჳ sëhen.
26962,

dô ër die vreise vor im sach.
Wigal. 20, 23;

swaჳ vreise ir in dër wërlte welt.
21, 7;

dëm rîter was zër vreise gâch.
51, 21;

daჳ lant ist alleჳ vreisen vol.
BON. 43, 14;

die wëge die sint vreisen vol.
90, 9.

die belege zeigen, dasz das wort gern im pl. steht, wie wir auch die gefahren sagen. wie der heiland in der stelle O. III. 8, 49 das schif aus dem tobenden sturm rettete und Iw. 673 das unwetter aufhört, wird auch sonst noch (mhd. wb. 3, 398b) vreise vǫn der wassersnoth gebraucht, es bedeutet also eine grosze, schwere gefahr. hat unser herre der apt dehein freise (schwebt er in gefahr, bricht der feind ein?), so sol der vogt füren die zinse, die pfert und die lüte mit sime geleite über Thur, also daჳ enhein schaden geschehe. weisth. 4, 105. nhd. erscheint aber der ausdruck weit seltner und wird, fast euphemistisch, sowol von dem peinlichen gericht als von lebensgefährlichen krankheitsanfällen verwandt, namentlich von fallender sucht und krämpfen: ein garaus machende freise (eine den tod bringende krankheit); Tullia wurde nach dem schlaf noch kränker und bekam die frais, welche sie folgends hinrichtete. ABELE 4, 218; darüber der kranke bitterlich weinte und mich mit erblaszten augen ansahe und die freis (den allgemeinen menschenwürger) bekame. 4, 311. vorzüglich bezeichnet freis die schäuerchen oder verzuckungen kleiner kinder. mythol. 1111. WEINHOLD schles. wb. 23b. LEXER 102; das wasser von den jungen schwalben ausbrennen für die frais. HOHBERG 1, 118b, vgl. 1, 138a. 237b. 238a und öfter. im nnl. vrees liegt weniger die gefahr als die furcht und empfindung: ik heb er geene vrees voer, keine furcht davor; vrees aan jagen, furcht einjagen; vrees voor god, gottesfurcht.

Winkel:

das wort winkel ist nur westgerm. und zwar wesentlich continental bezeugt als ahd. winkil, mhd. nhd. winkel, altnd. in winkelmate (hs. 13. jh.) gll. 3, 718, 44 St.-S., mnd. winkel, ebenso mnl., s. VERWIJS-VERDAM 9, 2, 2628, nl., s. VAN DALE 2, 1995b, afries., s. V. RICHTHOFEN 1151b, V. HELTEN altostfries. 380, fries., s. DIJKSTRA 3, 452b; im ags. in einem nicht ganz gewissen wincel, sonst nur vereinzelt in ortsnamen, s. BOSWORTH-TOLLER 1231a. dän. norw. schwed. vinkel stammt nach FALK-TORP 1384 aus dem mnd. winkel wird wie winken von WALDE-POKORNY 1, 260 zu der idg. wurzel ŭeng- 'gebogen sein' gezogen.
winkel ist im hochdt. zuerst im voc. s. Galli (8. jh.) in der glosse: angulos uuincil gll. 3, 2, 2 St.-S. und in ortsnamen seit dem 8. jh. bezeugt, s. FÖRSTEMANN-JELLINGHAUS ortsnamen 2, 1379. es flectiert in der regel als starkes masc.; schwache flexion begegnet vereinzelt: der winckeln funffe erste dt. bibel 5, 263 Kurrelmeyer; im winckeln WALTHER pferdezucht (1658) 152; alle ... winckeln ABR. A S. CLARA Judas 3 (1692) 181; in die entferntesten winkeln PÜCKLER briefwechsel u. tageb. 2, 178. im österr. wird winkel in analogie zu den deminutiven auf -el vereinzelt als ntr. gebraucht: das geringste winkel ABR. A S. CLARA etwas für alle (1699) 2, 150; ein sichres winkel HAFNER lustspiele 2, 8. im dat. pl. ist die nicht synkopierte form ungewöhnlich: bey den winckelen GERSDORFF wundtartzney (1517) 4b; in den wynckelen EPPENDORFF Plinius (1548) 11, 207; neben der allgemein üblichen synkope winkeln steht zuweilen bis ins 17. jh. auch winklen, so bei PARACELSUS op. (1616) 2, 385 H.; PH. BECH Agricolas bergwerckb. (1621) 455............................................................................u.v.m.

Jedoch sind dies noch längst nicht alle Ausführungen zu -winkel!

Nb. erwähnt: Im hist., deutschen RUFNAMENB:. steht: Kopie: Der Rufname Friso: 1310 = 1314 = Freso 1324, Vreyse 1343, Vryso 1347/48, Kosef. Freseko, -e, Vrezeke, Vreseke in Ostfalen, ZODER I, 526 fu 527 (sv Fries(i)cke);

Im Alt-deutschen NAMENBUCH steht: Friaso, Frias, Friso: Nhd. Freise, Frese, Freyse.

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@Tarzius

Habe deine Ausführungen mit Interesse gelesel, doch schlau werde ich daraus nicht.

Kommt das Freise nun von vrees oder gar von den Friesen?

Eigendlich dachte ich das der Bestandteil Winkel klar die Ecke in der Natur steht, aber da schein ich mich ja auch geirrt zu haben.

Zum Hintergrund der Fragerei:
Ich möchte ein Familienwappen stiften,mit eintrag in die deutsche Wappenrolle.
Das sollte natürlich meinen Namen bildlich korekt wiederspiegeln.

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lippold wrote:
@Tarzius

 

Habe deine Ausführungen mit Interesse gelesel, doch schlau werde ich daraus nicht.

Kommt das Freise nun von vrees oder gar von den Friesen?

Eigendlich dachte ich das der Bestandteil Winkel klar die Ecke in der Natur steht, aber da schein ich mich ja auch geirrt zu haben.

Zum Hintergrund der Fragerei:
Ich möchte ein Familienwappen stiften,mit eintrag in die deutsche Wappenrolle.
Das sollte natürlich meinen Namen bildlich korekt wiederspiegeln.

 

Hallo,

Zitat (aus den Bücher): Freise, Fryse, nebst Freisen: ndd.= Freise, Frese, Fresen, auch Freese, Frehse= Friese, Friesen.

Die ndd.!! Formen Fre(e)se und Frehse stammen bereits aus dem 8 Jh.
(ndd. Freese, Frehse= patronym. Friesen, Fresen, mit k-Suffix Frieseke)

Aber mhd. vreise= grausma, schrecklich.

Oder friese zu "frieren"?

Oberd. Fries meint den Damm- und Schlammarbeiter, der Entwässerunggräben auswirft. Zu/von mhd. vriese, schwäbisch fries= Graben, friesen= Gräben machen, dazu auch obd. Frieser.

Geschichte der Friesen:

http://www.nf-verein.de/geschichte.htm#punkt1

Friesen, germanischer Stamm an der Nordseeküste Lat. seit Tacitus Frīsii, griech. seit Ptolemäus Fríssioi. ahd. Frieson, Friason, Frison; mhd., mndl, ndl. Vriesen, mnd. Vrêsen. Firaîsoi in Südost-Skandinavien. (Quelle/Kopie aus: Tischner/ Völkernamen)

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Ich habe auf meiner Website eine Deutung des Namens veröffentlicht, die die neuen Aspekte berücksichtigt. Danke an alle, die sich mit diesem Thema beschäftigt und wichtige Hinweise gegeben haben.

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Zu der Ableitung von nd. "freysen" = frieren, oder "vries" für ungemütlich kalt, frisch, windig, zugig usw. schreibt der Germanist Paul Derks (emeritierter Professor der Universität Duisburg-Essen) in seinem kürzlich erschienenen Buch "Die Siedlungsnamen der Stadt Sprockhövel":

Freisewinkel = Frier-Winkel, Winkel in dem es kalt ist. Die Wortbildung ist die eines Determinativ-Kompositums mit einem Verbal-Stamm vor dem Grundwort.... Die Namensdeutung von Paul Freisewinkel, dem verdienten Hattinger Heimatforscher, ...ist indes eine zu phantasievolle Auslegung. Der Name einer Flur oder eines Kotten ist bindend zunächst einmal aus einheimischen Verhältnissen und einheimischen Wortgut zu erklären. Erst wenn das auf keine Weise gelingt, so kann mann vielleicht auch nach den germanischen Randvölkern als Namensgeber fragen. so ist hier die näher liegende und darum bessere Erklärung die des Frier-Winkels." (Paul Derks: Die Siedlungsnamen der Stadt Sprockhövel, Universitätsverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum, 2010, Seite 109)

Als weiteres, plausibles Bestimmungswort kommt "frei" in Frage. Das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm verzeichnet: "frei, goth. freis gen. frijis, ahd. frî gen. friges und frîes, mhd. vrî vrîes, alts. fehlend, doch in frî, femina ingenua wirksam, mnl. vrî vries, nnl. vrij vrijes, friesisch frî, fries, ags. frî und freo, pl. frige, engl. free. altn. kein frîr aufzuweisen, frî selten, schw. dän. fri. das lett. brihws. frei, erlaubt, ledig scheint von uns entnommen. dies ganze wort reicht in hohes alter und hat groszen zusammenhang". (Herausgeber: Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren der Universität Trier: Der digitale Grimm, 2 CD-ROM, Verlag Zweitausendeins, 2004)

Also der freie Winkel = gerodete Fläche oder frei von Leibeigenschaft? Vermutlich eher frei vom Waldbewuchs. In den ausgedehnten Wäldern rund um den Siedlungsplatz wurde Holz für die Gewinnung von Holzkohle geschlagen, die man für die Rennfeuer brauchte. In ihnen konnte man die an der Erdoberfläche lagernden Eisenkonglomerate durch die in den Waldschneisen an den Bergen entstehende Luftströmung in einem einfachen Schmelzverfahren zu Luppen zusammenrinnen lassen, die die Schmiede an den wasserbetriebenen Mühlrädern weiter verarbeiteten. Luftströmung = zugig = doch Bezug auf "vries"? Dann hätte das Bestimmungswort sogar doppelten Ursprung!

siehe auch www.Familienforschung-Freisewinkel.de/name.html

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Hallo Zusammen!

Ein befreundeter Familienforscher hat jetzt die Frage aufgeworfen, ob der Name sich eventuell auch von den zahlreichen Familien Freise ableiten und sozusagen der Zusatz "winkel" später quasi zur Präzisierung dazugekommen sein könnte.

Dies würde von der Regel abweichen, nach der in zusammengesetzten Wörtern (Komposita) deutscher Herkunft das Grundwort in der Regel hinten, das Bestimmungswort vorne steht. Vergleiche: Helmut Glück, Wolfgang Werner Sauer: Gegenwartsdeutsch. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart / Weimar 1997, S. 69.

Nun also meine Fragen:

1.) Ist davon auszugehen, dass die Bildung von Komposita nach dem Muster Bestimmungswort-Grundwort auch schon im Mittelalter üblich war? Der älteste Nachweis des Namens Freisewinkel befindet sich im Schatzbuch der Mark von 1486: Derick Vryeswinckel aus "Sproeckhoevell" im "Ampt van Blankensteyne".

2.) Gibt es in der Onomastik und der Sprachgeschichte eventuell weitere Regeln, die die These des befreundeten Familienforschers stützen würden?

Ich freue mich auf hilfreiche Hinweise von Namens und Sprachforschern.

Viele Grüße

Christian

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Christian40489 schrieb:

Hallo Zusammen! Ein befreundeter Familienforscher hat jetzt die Frage aufgeworfen, ob der Name sich eventuell auch von den zahlreichen Familien Freise ableiten und sozusagen der Zusatz "winkel" später quasi zur Präzisierung dazugekommen sein könnte. Dies würde von der Regel abweichen, nach der in zusammengesetzten Wörtern (Komposita) deutscher Herkunft das Grundwort in der Regel hinten, das Bestimmungswort vorne steht. Vergleiche: Helmut Glück, Wolfgang Werner Sauer: Gegenwartsdeutsch. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart / Weimar 1997, S. 69.

Nun also meine Fragen:1.) Ist davon auszugehen, dass die Bildung von Komposita nach dem Muster Bestimmungswort-Grundwort auch schon im Mittelalter üblich war? Der älteste Nachweis des Namens Freisewinkel befindet sich im Schatzbuch der Mark von 1486: Derick Vryeswinckel aus "Sproeckhoevell" im "Ampt van Blankensteyne".2.) Gibt es in der Onomastik und der Sprachgeschichte eventuell weitere Regeln, die die These des befreundeten Familienforschers stützen würden?Ich freue mich auf hilfreiche Hinweise von Namens und Sprachforschern. Viele Grüße Christian 

 

Hallo,

Ist davon auszugehen, dass die Bildung von Komposita nach dem Muster Bestimmungswort-Grundwort auch schon im Mittelalter üblich war?

In Komposita deutscher Herkunft steht das Grundwort in der Regel hinten, das Bestimmungswort vorne. Dies ist die allgemeine Aussage in den Bücher. Kommt noch hinzu, dass gewisse Grundwörter  älteren Datums sind als andere. Z.B. erscheint Busch i.D. erst ca. ab dem 11 Jh.. Hag wiederum schon uralt ist.

Darauf verw. auch andere in den unten stehenden WeBSeiten.

G.W.B.: Grundwort: im späteren 16. Jh. zur wiedergabe des grammatischen………..aufkommend usw..

http://de.wiktionary.org/wiki/Bestimmungswort

http://de.wiktionary.org/wiki/Grundwort

 

 

Und bereits erwähnt wurden ja die Aussagen im folgendenm Buch: Siedlungsnamen der Stadt Sprockhövel:

Freiske südl. Hamm, um 1220 Vrisevic usw..

Zu Derick Vryeswinckel steht: Frier-Winkel, Winkel in dem es kalt ist. Zu mnd. Winkel= abgelegener Ort und mnd. vriesen, vrèsen= frieren usw.. Die Wortbildung ist die eines Determinativ –Kompositums (Bt.= Zusammensetzung, bei der der erste Teil, das Determinans, den zweiten, das Determinatum, in seiner Bedeutung näher bestimmt, einschränkt) mit einem Verbal-Stamm vor dem Grundwort……usw..

 P. Freisewinkel, der verdiente Hattinger Heimatforscher, erläutert in seinen Erinnerungen auch seinen Namen. Derick a. 1486 sei Schmid gewesen und habe gewohnt auf einem Flur, benannt nach einem Winkel, der von den Höhen-Rückengebildet wurde…………..eine zu phantasievolle Auslegung......

Diese Aussage erscheint manchen also für zu phantasievoll ohne jedoch in der Lage zu sein, andere (eigene) Aussagen zu belegen.

http://books.google.de/books?id=lQf_qIb8GdsC&pg=PA147&lpg=PA147&dq=Derick+Vryeswinckel&source=bl&ots=pU0khixt86&sig=p096wMuZ5jhGDgO418zc5jjIHRc&hl=de&sa=X&ei=NtB-T7y0Bs6cOqTctPgG&sqi=2&ved=0CC8Q6AEwAg#v=snippet&q=Vryeswinckel&f=false]

http://books.google.de/books?id=lQf_qIb8GdsC&pg=PA147&lpg=PA147&dq=Derick+Vryeswinckel&source=bl&ots=pU0khixt86&sig=p096wMuZ5jhGDgO418zc5jjIHRc&hl=de&sa=X&ei=NtB-T7y0Bs6cOqTctPgG&sqi=2&ved=0CC8Q6AEwAg#v=snippet&q=Vryeswinckel&f=false

 

Gibt es in der Onomastik und der Sprachgeschichte eventuell weitere Regeln, die die These des befreundeten Familienforschers stützen würden?

M.M.n. nein. Jedoch besagen dies Aussagen der Forscher ja: In Komposita deutscher Herkunft steht das Grundwort in der Regel hinten, das Bestimmungswort vorne.

Ein befreundeter Familienforscher hat jetzt die Frage aufgeworfen, ob der Name sich eventuell auch von den zahlreichen Familien Freise ableiten und sozusagen der Zusatz "winkel" später quasi zur Präzisierung dazugekommen sein könnte.

Wenn Dein befreundeter Familienforscher dafür einen Nachweis erbringen kann??........

"lippold" schrieb ja auch: doch die Freisewikel gab es schon um das jahr 1180 (dritter Kreuzzug).werde die Quelle nachreichen.

Eines steht bis heute fest: die Hk. und Bt. des Namens sind nicht mit ("100%") Sicherheit geklärt.

Auch lesen: -winkel

http://schadwinkel.wordpress.com/2008/04/21/namensbedeutung-schadwinkel/

 

Noch dies; es ergibt keinen "Sinn", zwei getrennte Beiträge zum Fam. Nam. Freisewinkel zu erstellen. Deshalb werden Deine neuen Anregungen zum alten Beitrag hinzugefügt. Der Beitrag bleibt dadurch übersichtlich.

User offline. Last seen 6 Tage 18 Stunden ago. Offline
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@ Tarzius

Danke für Deine Antwort.  Wie  andere auch verweist Du darauf, dass in Komposita das Grundwort vorne, das Bestimmungswort in der Regel hinten steht. Eine abweichende Regel gibt es Deiner Meinung nach nicht.  Meine Frage zielte darauf, ob es denkbar ist, dass Freise das Grundwort und Winkel das Bestimmungswort dieses Kompositums sind. Sozusagen in Abweichung von der Regel und belegbar durch andere Fallbeispiele.

Deine Antwort auf die Frage, ob der Name sich eventuell auch von den zahlreichen Familien Freise ableiten und sozusagen der Zusatz "winkel" später quasi zur Präzisierung dazugekommen sein könnte, lautet:  "Wenn Dein befreundeter Familienforscher dafür einen Nachweis erbringen kann??........" Wie soll ich das verstehen? Ohne Beweis nein, mit Beweis oder Hypothese vielleicht doch? 

Deine Kommentierung der Namensdeutung Freisewinkel von Paul Derks ist nicht korrekt. Du gibst seine Aussage verkürzt und missverständlich wieder. 

Richtig ist, dass Paul Freisewinkel im Bestimmungswort Freise als Wurzel das oberdeutsche "vriesen" sieht, was so viel wie Damm- oder Schlammarbeiter bedeutet. „Im Bestimmungswort klingt die gewerbliche Tätigkeit meiner Vorfahren. … Mit der (unbewiesenen) Tätigkeit des Stauens und Abdämmens von Wasser hängt das Bestimmungswort in Freise, Freyse, Vries zusammen. Man kann es in dieser Hinsicht wohl in Verbindung bringen mit dem Volksstamm der Friesen, dessen Name mit dem Deichbau erklärt wird.“ Diese Deutung ist jedoch falsch, weil im Märkischen Niederdeutsch gesprochen wurde! Das Grundwort Winkel versteht Freisewinkel als „natürliche Winkel in der Landschaft, in deren Quellmulden sich Möglichkeiten zur Anlage menschlicher Siedlungen boten.“

Derks dagegen sieht die Wurzel im Bestimmungswort im nd. "freysen" = frieren, oder "vries" = ungemütlich kalt, frisch, windig, zugig. Im Grundwort sieht er übereinstimmend die Bedeutung „Siedlung in einer Ecke oder in einer abgeschiedenen Gegend“. Derks schreibt: „Der Name einer Flur oder eines Kotten ist bindend zunächst einmal aus einheimischen Verhältnissen und einheimischen Wortgut zu erklären. Erst wenn das auf keine Weise gelingt, so kann man vielleicht auch nach den germanischen Randvölkern als Namensgeber fragen. So ist hier die näher liegende und darum bessere Erklärung die des Frier-Winkels."

Deine Behauptung, Derks sei jedoch nicht in der Lage, andere (eigene) Aussagen zu belegen, ist also falsch.

Hinweisen möchte ich auch darauf, dass die Behauptung von Lippold „Freisewinkel gab es schon um das Jahr 1180 (dritter Kreuzzug)“ unbewiesen und vermutlich falsch ist. Nach heutigem Stand der Familienforschung Freisewinkel ist die älteste urkundliche Erwähnung im Schatzbuch der Mark von 1486: „Ampt van Blankensteyne Sprockhoevell ... Dereck Vryeswinckel 2 Ort [betalt] 1 Ort noch 1 Ort“

 

Christian