Lateinisches c/ch und dessen Aussprache

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User offline. Last seen 8 Jahre 11 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 14.09.2011
Beiträge: 2

Als Neuling ersteinmal einen schönen Gruß an den/die Webseitenbetreiber und alle Interessierten.

Anlaß für meine Registrierung hier war neben dem Interesse für Onomastik auch im besonderen der Hinweis darauf das der Betreiber/Gründer dieser Webseite bei Prof. Udolph studierte.Onomastik-Seite gibt es ja vermutlich sehr viele,zumeist reduziert es sich aber doch mMn eher auf banales wie "Mein Name ist Peter Müller - was bedeutet das?".

Ist ja auch schon ganz OK, aber interessiert mich zumindest nicht besonders.Mal abgesehen davon das ich auch schon mal auf einer Onomastik-Seite feststellen konnte,das man Besucher irgendwelche Abos andrehen wollte.

Mich interessieren mehr andere Aspekte,wie z.B. die Namenforschung im Zusammenhang mit Geschichts- und Altertumskunde.Ob und wie sich Namenforschung hier nützlich einbringen und helfen kann für etwas mehr Licht im Dunkel alter Zeiten zu sorgen.

Der Gründer dieser Seite hat leider nicht weiter beschrieben wie es nach dem Studium weiterging.Ist er bzw. bist du weiter in diesem Bereich beruflich tätig? Und wenn ja, wo und mit was beschäftigst du dich derzeit? Und wie sieht eigentlich die alltägliche Arbeit in der Onomastik aus,vielleicht an einem Beispiel gezeigt?

Beginnen möchte ich mal mit der Frage um die Schriftweise von Stammesnamen im Lateinischen und deren vermutlichen Aussprache.

Es gibt ja ganz bekannte Beispiele wie cimbri,chamaver,chatten,chattuarier,chauken,cherusker und auch chlodwig.Im Deutschen verwendet man seit einiger Zeit,keine Ahnung seit wann wirklich,für die Schreibweise machmal(Kimbern,Klodwig) und für die Aussprache in der Regel im Anlaut ein K.Nur selten wird auf eine andere Aussprache hingewiesen.

Und ich bin ja nicht der Erste der bei einigen dieser Beispiele kein gutes Gefühl hatte.Irgendetwas scheint im wahrsten Sinne nicht zu stimmen.Wenn man dagegen ein cimbri mit einem Sz oder einem "englischen" th anlauten lässt sich aus dem Namen etwas ableiten.Zum Beispiel das heutige deutsche "Zimmer" bzw. "Zimmerer".

Die Anlaute der anderen Namen machen erst mit einem gehauchten H wie in "ach" oder dem holländischen Gouda wirklich Sinn.Was meinen und meinten Onomastiker und Etymologen eigentlich dazu? Warum ist noch heute ,im Jahre 2011 ,der Stammesname Kimbern im Lexikon unter "K" und nicht wie es wohl besser wäre unter "T"_zimbern oder "Z"_imbern, zu finden?

Grüße Catweazle

User offline. Last seen 3 Tage 15 Stunden ago. Offline
qualifiziertModeratorAdmin
Beigetreten: 15.11.2010
Beiträge: 486

Hi Catweazle, und danke, dass du dich angemeldet hast. Dem Betreiber dieser Seiten ist es ja fast ein bisschen peinlich, aber leider findet er (i.e. ich) nur noch recht selten die Zeit, sich um Namen zu kümmern.

Nach dem Studium schlug die Realität zu, und mit Vollzeitjob (zwar nicht im Bereich Namen, immerhin aberim Bereich "Bildung") und Familie bleibt nur noch wenig Zeit, leider. Daher weiß ich auch nicht, ob in meiner Antwort für Sie noch etwas neues drin sein wird.

Was die Aussprache von im Lateinischen anbelangt, so wurde es vor hellen Vokalen bis ins 7. Jahrhundert als [k] ausgesprochen. Der Wandel in der Aussprache zu [ts] trat danach ein.

Zu "Kimbern" hab ich gerade mal durch die (wenigen) Bücher geblättert, die noch im Schrank stehen, aber dazu erst einmal nichts gefunden. Haben Sie dazu eine Belegreihe aus lateinischen Quellen? Es gab durchaus auch zu Gemanischer Zeit den Laut [k], der im Lateinischen als verschriftlicht worden wäre.

Beste Grüße
thomas

User offline. Last seen 1 Woche 1 Tag ago. Offline
Experte!Moderator
Beigetreten: 31.12.2005
Beiträge: 4558

Quote:Was die Aussprache von im Lateinischen anbelangt, so wurde es vor hellen Vokalen bis ins 7. Jahrhundert als [k] ausgesprochen. Der Wandel in der Aussprache zu [ts] trat danach ein. .
Beste Grüße
thomas

Hallo Thomas,

Da lateinisches c in den Verbindungen ch [c] und sch [ò] ganz in den deutschen……usw..

Ästhetische Logik im System der deutschen Rechtschreibung:

http://www.decemsys.de/sonstig/dt-rs.htm

Die aelteren lateinischen Lehnwoerter lassen lat. c vor hellen Vokalen als k ... wie Kirsche - lat. cerēsia, Wicke - lat. vicia, Kiste - lat. cista entlehnt sein. ... Vor diesem Wandel wurde entlehnt ahd. kellāre „Keller“ - lat. cellārium. .... Man denkt dabei an lat. caesar - ahd. keisar „Kaiser“, lat. mîlîtâre - got. militôn, lat. pilum - nhd. ...

http://www.vestnik-kafu.info/journal/14/542/

Lat. cellarium = ahd. kelläri = nhd. Keller, vivariura wiwäri Weiher, .... Riemen remus kaufen cauponari schreiben scribere Kiste cista Schrein scrinium ... Arzt ▼on: archiater Pacht von: pactum Fieber Kaiser febris Caesar (vergl. ...... c verbannt hat, schreibt auch für zahlreiche eingebürgerte Fremdwörter k vor, ...

http://www.archive.org/stream/deutschewortfor00doufgoog/deutschewortfor00doufgoog_djvu.txt

http://www.reference-global.com/doi/abs/10.1515/9783110215526.1

Der Name der Kimbern:

Obgleich man wie nach der Heimat der Kimbern so auch nach der Bedeutung ihres Namens schon im Altertum forschte, ist doch die Frage erst in den Anfängen des 20. Jahrhunderts in befriedigender Weise beantwortet worden. Mal leitete man den Kimbernnamen aus dem altkeltischen Begriff "Cimb" ab, was so viel wie "Räuber" bedeutete - mal aus dem germanischen "Kibanrixari", worauf Kimber dann "der Zänker" wäre. Sowohl das eine als auch das andere nicht gerade schmeichelnd. Dagegen wird das angelsächsische Wort "cimbing" mit "Commisura" erklärt. Das lateinische Wort kommt von "Committere" und bedeutet "zusammenfügen" und bezeichnet die Stelle, wo zwei Dinge zusammenstossen, sich berühren. Dieser Sinn liegt auch dem deutschen Wort "Kimm" oder "Kimme" zugrunde und entspricht dem eben erwähnten angelsächsischen "cimbing", das in abgewandelter Form auch im Schwedischen und Englischen vorkommt und zum einen "Kerbe" und zum andern "hervorragender Rand" bedeutet. Im niederdeutschen wird mit Kimme der Horinzont bezeichnet...

Das Wort KIMM, KIMME oder KIMMUNG setzt ein an der ganzen Nordseeküste verbreitetes altdeutsches Theme KIMBA voraus, mit dem Sinn KANTE, RAND, UFER. K I M B E R N bedeutet also : Leute vom Rand / von der Küste des Meeres / von der " Waterkant".................

http://www.cimbria-nuernberg.de/cimbria_name.htm

Gruss