Spintig

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Hallo, mein Nachname ist Spintig. Die Herkunft dieses Namens liegt wohl im Raum Hannover/ Goslar. Wer kann mir weitere Informationen auch zur Bedeutung geben? Mit vielem Dank im Vorraus K.S.

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Kai Spintig wrote:Hallo, mein Nachname ist Spintig. Die Herkunft dieses Namens liegt wohl im Raum Hannover/ Goslar. Wer kann mir weitere Informationen auch zur Bedeutung geben? Mit vielem Dank im Vorraus K.S.

Hallo,

G.W.B.: Spintig/Spint:

Kopie:

SPINTIG, adj., nach **spint (2) gebildet, schliffig, vom backwerk; ein mundartlich oberdeutsch verbreitetes hauswort: bair. spindig und gespindig, zähe, fehlerhaft käsig, speckig, in Würzburg, Aschaffenburg spundig, spündig, käsartig von brot oder backwerk, fehlerhaft-dicht oder fest, hager, lang. SCHM. 22, 677 f.; im Egerlande spintigh, spinti, nicht ausgebacken. NEUBAUER 92a; auch schwäbisch spindicht, käsicht SCHMID 502; spündig, minus excoctus FRISCH 2, 312b; im bilde.

**spint (2): übertragen auf das käsige, unausgebackene im innern eines backwerks, was anderswo schliff, mit dem adj. schliffig (oben theil 9, 712. 713) genannt wird: spint und spund, der wässerige nicht genug ausgebackene theil des brotes und eines andern gebäckes. ADELUNG als landschaftlich; spund oder spind am gebackenen, pars non satis cocta in extremitate panis, das nicht recht ausgebacken, als unten am pasteten-hafen oder andern kugen bisweilen bleibt. FRISCH 2, 312b; oberdeutsch vorzugsweise im bairischen sprachgebiete: spind, spint, das zähe, fehlerhaft fette, käsige, speckige im backwerk. SCHM. 22, 677. SCHÖPF 689; spint, der wässerige, fettige, schmierig glänzende, nicht genug ausgebackene theil des brotes oder eines anderen gebäckes. NEUBAUER Egerländer mundart 92a, vgl. dazu das adj. spintig; im bilde: spint bachn, nicht reussieren bei einem unternehmen, nicht auf die kosten kommen. ebenda; vgl. dazu schliff backen, th. 9, 713.

Für einen Bäcker?

Was jetzt nicht im G.W.B. steht: Spint ist auch ein altes Getreidemass: Spint: 2,43 l (Mecklenburg, Getreide) 4,63 l (Bremen) . 6,96 l (Hamburg)

Geogen: Es wurden 93 Einträge gefunden und in 31 verschiedenen Landkreisen lokalisiert. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sind etwa 248 Namensträger zu erwarten. Damit tritt der Name unterdurchschnittlich häufig auf. (Spint: keine Einträge bei Geogen)

(in den Tel.B. sind Bundesweit 93 Einträge verz.)

http://christoph.stoepel.net/geogen/v3/Default.aspx

Fam. Nam. Spint: Einträge bei F.S.: ab 1680 Stege, Praesto, Denmark. Spintig: 1776 , Braunschweig, Germany und 1826 Ammensen, Goslar, Hannover, Preussen. (ob bei diesen Namen ein Zusamenhang besteht, kannst Du nur mittels Ahnenforschung herausfinden)

Noch etwas zu der "Namensendung -ig: 1. durch wegfall des-n- entstandene Form von -ing. 2. deutsche Schreibweise der slaw. Ableitung -ik)

Spintig/Spintik: zu einem Fam. Nam. Spintik habe ich keine Hinweise/Angaben. Jedoch in Kärten kommt dieser "Name" vor. Z.B. Naturschutzgebiet Spintik-Teiche/Gemeinden: Maria Wörth, Keutschach am See od. Bauernhof Spintik. Eine slaw. Ableitung/Herkunft wäre denkbar. Diese Angaben "nur" der Vollständigkeit wegen.

Deutsch-böhmisches Wörterbuch, Praha 1821: Spint, m. des Brodes; klihowatina; des Holzes, blána, oblana, alburnum. Spintig, adj. klihowatý.

http://bara.ujc.cas.cz/slovniky/dobrovsky/dobrovsky587.html

Vielleicht kann DinoMaus etwas mehr dazu "sagen".

Die Namensendung –ing:

mit dieser Ableitung wird dies Zugehörigkeit des Namensträgers zu einem Ahnherr bzw. Örtlichkeit ausgedrückt. So ist ein Fam. Nam. wie z.B. Nold-ing im Allgemeinen als patronymische Bildung (Sohn/Nachkomme eines Nolte= Arnold zu verstehen. Es ist hierbei berücksichtigen, dass manche Formen auf -ing (z.B. Henning) auch als Rufnamen verwendet wurden. Ein Fam. Nam. wie Büsching weisst meist auf die Herkunft(Sohn/Nachkomme eines Mannes namens Busch hin, kann aber auch die Herkunft "der aus dem Busch, Wald", bezeichnen.

Ergänzend noch:

SPINTISIEREN, verb. grübelnd nachdenken oder ergründen.

1) das wort erscheint seit der ersten hälfte des 16. jahrh. hält und verbreitet sich, besonders in gewöhnlicher sprache, durch das 17. und 18. jahrh., und geht im 19. in der anwendung langsam zurück, ohne bis jetzt abgestorben zu sein. wenn J. GRIMMS vermutung (kl. schrift. 1, 372), dasz dem wort ital. spinta zu grunde liege, richtig ist, so würden wir die entstehung der bildung in süddeutschen kaufmännischen kreisen suchen müssen, in denen am ausgange des mittelalters italiänischer betrieb vielfach vorbildlich war, wobei italiänische kaufmannsworte eingang in die deutsche kaufmannssprache fanden; es läge dann die verbindung dar la spinta a qualcosa zu grunde, die von dem nachdenken über das betreiben und in gang bringen einer sache gebraucht wurde. die auf fremden -ieren beruhende erweiterte ableitung -isieren mit iterativer bedeutungsschattierung taucht gerade zur zeit des ersten erscheinens von spintisieren an fremden wie heimischen worten auf, vgl. bannisieren neben bannieren (theil 1, 1118), dollisieren, tollisieren neben dollieren (theil 2, 1229), poetisieren (theil 7, 1972), grillisieren, stilisieren und viele andere. das wort geht ins niederdeutsche als spinteseren, spenteseren über: ek spintesere work (wie ich) wil ene suplicazie maken. SCHOTTEL friedens sieg 70;

SPINTSPECK, m. kernspeck (vgl. spint 1, oben sp. 2548): gute munition von schuncken, spintspeck, füllspeck. Garg. (1590) 95.

SPINTVOGEL, m. name des spechtes, der in den spint der bäume hackt (spint 3, sp. 2548): in Ostfriesland spint - fögel TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 277b. .

Der Spind od. Spint): SPIND,SPINDE, n. (erstere form auch m., letztere bisweilen f.), hauptsächlich in niederdeutschen gegenden schrankförmiges behältnis zur aufbewahrung von gegenständen, dann überhaupt schrank. das wort geht zurück auf ein mittellat. spenda, spinda und bezeichnet ursprünglich die austheilung von speise an die armen, eine bedeutung, welche das ebenfalls hierhergehörige spende, f. (s. oben sp. 2143 f.) selbständig weiterentwickelt hat. vgl. mittellat. spinda.