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User offline. Last seen 3 Jahre 13 Wochen ago. Offline
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Dinomaus28 wrote:Hallo!

Überlassen wir es doch der Fragestellerin bei ihrer Nachforschung woher ihre Vorfahren tatsächlich stammen, oder mit welcher Begründung kannst Du das behaupten?

Dinomaus28

Ich beziehe mich doch gerade auf die Fragestellerin, denn sie gibt doch Zwittau in Tschechien an - oder kann ich schon so schlecht lesen?

User offline. Last seen 9 Jahre 14 Wochen ago. Offline
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Die Fragestellerin schreibt doch folgendes:

Quote:unser Fn kommt aus der Gegend um Zwittau/Zwitavy .

Es gibt nicht genügend Hinweise darauf, dass der FN auch vor Jahrhunderten schon dort zu finden ist.

Ich will Dir mal was sagen:
Hier kann jeder eine eigene Meinung haben, so wie im Leben auch. Man muß nicht gleicher Meinung sein und kann unterschiedliche Theorien vorbringen. Wenn Du der Ansicht bist, ich müßte Deine Meinung bzw. Deine Antwort als die wahre Antwort ansehen, dann bist Du hier im Forum falsch. Wenn sich Eure Theorie als richtig herausstellt, dann ist das für mich völlig in Ordnung und ich freue mich, das die Fragestellerin eine Antwort auf ihre Frage bekommen hat, denn darum geht es hier im Forum.

Es gibt ja leider nur sehr wenig Verbreitung des Namens it "W" , dass kann verschiedene Gründe haben.

-Vielleicht ist der Name schon fast ausgestorben;
-Vielleicht wurde der Name im Laufe der Zeit anders geschrieben (doch ohne "W" und/oder es ist einfach nicht die Urform des Namens.

Ich denke, dass es sich nicht um diese Theorie handelt, weil:

ostri(t) = Schneide(n), Schärfe(n), - als Ableitung zu einem Berufsnamen sehr unüblich wäre, damals dachte man einfacher...

odstrčit (odstrčil) = wegschieben etc. (wie schon genannt) durch das "W", aber irgendwie auch momentan keinen Sinn ergibt. Wo kommt das W her? Selbst ein Schreiberling, der schlecht schrieb, würde kein "W" vorne dran setzen. Und wieviele FN in Tschechien gibt es, bei denen ein "W" am Anfang steht....da könnt ich jetzt noch Stunden weiterreden.

Die tschechischen Namen sind einfacher gestrickt. Hier gibt es wie bei uns auch, meist einfache (edit.: Berufs-)Bezeichnungen.

Ich habe auch nicht behauptet, dass meine Überlegungen tatsächlich richtig sind, es wäre nur ein Ansatz.

Soviel zu meiner Meinung.

Meine Frage an Petra lautet:
Seit wann kommen die Leute dort her?

Tatsächlich gibts nur eins: "Ahnenforschung"

Dinomaus28

User offline. Last seen 8 Jahre 42 Wochen ago. Offline
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Dinomaus28 wrote:Ich denke, dass es sich nicht um diese Theorie handelt, weil:

ostri(t) = Schneide(n), Schärfe(n), - als Ableitung zu einem Berufsnamen sehr unüblich wäre, damals dachte man einfacher...

odstrčit (odstrčil) = wegschieben etc. (wie schon genannt) durch das "W", aber irgendwie auch momentan keinen Sinn ergibt. Wo kommt das W her?
Die Ableitung von ostrit halte ich auch für unwahrscheinlich, denn es fehlt das d.

Das W vor dem Namen ist zwar seltsam, aber nicht ungewöhnlich. Der Name WONDRA leitet sich auch von tschech. ONDRA ab, die tsch. Variante von Andreas, siehe z. B. DUDEN - Familiennamen.

Es gibt übrigens auch das seltene Verb vodstrčit, das die gleiche Bedeutung wie odstrčit zu haben scheint (siehe Google).

Zum Sinn:
Vielleicht war der erste Namensträger als Kind ein ruppiger Spieler?
Oft hatten dieselben Wörter zur Zeit der Namensentstehung ja auch eine andere Bedeutung als heute. In alten, mehrbändigen tschech. Wörterbüchern findet man auch die Erklärung odstrčit = arch. "ušetřit, zahospodařit" zu dt. ersparen, (Geld) zurücklegen. Der Namensträger hatte also Geld gespart. Diese sehr alte Bedeutung scheint mir am besten zu passen.

Bei deiner Hypothese der Ableitung vom Ortsnamen stellt sich die Frage, woher dann die Endung -il im Familiennamen kommt. Aber bei Namen ist ja bekanntlich fast alles möglich. Möge der Fragesteller, wie immer, selbst entscheiden, welche Erklärung er für am plausibelsten hält.

MfG

User offline. Last seen 9 Jahre 14 Wochen ago. Offline
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Quote:Die Ableitung von ostrit halte ich auch für unwahrscheinlich, denn es fehlt das d. Das W vor dem Namen ist zwar seltsam, aber nicht ungewöhnlich. Der Name WONDRA leitet sich auch von tschech. ONDRA ab, die tsch. Variante von Andreas, siehe z. B. DUDEN - Familiennamen. Zum Sinn: Vielleicht war der erste Namensträger als Kind ein ruppiger Spieler? Bei deiner Hypothese der Ableitung vom Ortsnamen stellt sich die Frage, woher dann die Endung -il im Familiennamen kommt. Aber bei Namen ist ja bekanntlich fast alles möglich. Möge der Fragesteller, wie immer, selbst entscheiden, welche Erklärung er für am plausibelsten hält.

Hi!

Ja - bei den Varianten die Du aufzählst handelt es sich aber um Rufnamen, die ein "W" erhalten haben.

Das -il könnt umgangssprachlich sein, so wie aus Schmied die die Schmiedin wurde...blödes Beispiel - ich weiß. Kann das schlecht erklären, aber für mich hörts sichs so an.

Das "W" für den Wohlklang halte ich pers. hier für unwahrscheinlich, aber das ist ja Ansichtssache.

Was mich so stutzig macht ist, die Folge der Buchstaben "dstr"

Vielleicht kommt ja auch eine ganz andere Herkunft (oder ein anderer Ortsname) in Frage..wir wissens nicht, solange wir so wenig Infos haben.

Wünsch Dir was.

Dinomaus28

User offline. Last seen 12 Jahre 32 Wochen ago. Offline
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Hallo allerseits,
es gibt Neuigkeiten zum Namen.
Ursprünglich kommen die Wodstrzcils aus Makov / Leitomischl.
Der Nachweis aus dem KB ist von 1693.
Mein Auftragsforscher sagte mir, das alles in schönstem Alttschechisch geschrieben ist.
Laut Google ist dann auch das W zu erklären, das gab es noch im Alttschechisch...

Vielen lieben Dank für eure Wortmeldungen,
Gruß Petra

User offline. Last seen 9 Jahre 14 Wochen ago. Offline
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Hallo!

Das ist ja super. Ich kenne das "w" im alttschechischen nur innerhalb eines Namens, aber nicht am Anfang stehend, bis auf ganz seltene Ausnahmen, wenn es sich um einen Rufnamen wie schon erwähnt, handelt. Damit hast Du dann einen ganz außergewöhnlichen Namen...fragt sich nur noch, welche Bedeutung er tatsächlich hat.

Gruß
Dinomaus28

User offline. Last seen 8 Jahre 42 Wochen ago. Offline
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PetraW wrote:Laut Google ist dann auch das W zu erklären, das gab es noch im Alttschechisch...
Hallo
Ich hatte an anderer Stelle - HORLITZ - schon darauf hingewiesen, dass bei den westslaw. Sprachen vom 14. bis 15. Jh. einem anlautenden o- häufig ein w- (bzw. v-) vorangestellt wurde. Das dürfte auch das W in deinem Namen erklären. Die frühere Bedeutung des Verbs hatte ich oben noch hinzugefügt.

MfG

User offline. Last seen 9 Jahre 14 Wochen ago. Offline
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... darüber kann man sich jetzt streiten. "westslaw." ist so ein allgemeiner Begriff, aber auch da gibt es ein paar Unterschiede. Ich hab mal ein alttschech. Wörterbuch gesucht - aber da ist mir nichts übern Weg gelaufen. Im 14. oder 15. Jh. gab es ja nicht viel an literearischen Werken, wenn überhaupt Lyrik und auch die lateinische Sprache hatte noch Einfluß, vor allem in der Slowakei und schließlich vermischte sich das auch noch. Das tschechische ist im 15. - 16. Jh. durch literarische Werke wie der "Bible kralická" oder anderen kirchlichen Werken zum Einsatz gekommen und selbst da, flossen slowakische Elemente mit ein... man sieht also, es ist ein Kuddelmuddel in dieser Zeit. Etabliert hat sich alttschechisch erst etwas später, so daß man erst dann genauere Hinweise geben kann. Zumindest nachvollziehbar und belegbar in Schriftform.

Interessieren würde mich an dieser Stelle, ab wann das "W" vorangestellt an Namen, belegt ist und ob andere Einflüsse dies hervorgebracht haben, aber bisher fand ich nix dazu. Es war mir bisher auch nicht wesentlich aufgefallen, obwohl ich inzwischen so einige Namen alttschechischen Ursprungs gelesen habe.

Super Hinweis mit dem "Horlitz" ! :lol:

Wünsch Euch was

Dinomaus28

User offline. Last seen 8 Jahre 42 Wochen ago. Offline
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Dinomaus28 wrote: Interessieren würde mich an dieser Stelle, ab wann das "W" vorangestellt an Namen, belegt ist und ob andere Einflüsse dies hervorgebracht haben, aber bisher fand ich nix dazu.
Ich schrieb ja oben "w-bzw v-Prothese", das kommt auf die jeweilige westslaw. Sprache an. Bereits im 14. Jh. wurde in Böhmen v- vor dem anlautenden o- bzw. im Hiat (nach einer Pause) ausgesprochen. Es handelt sich um eine Entwicklung, die den bis dahin obligatorischen Glottisschlag vor o ablöste. Bis Ende des 16. Jh. setzte sich die v-Prothese im mündlichen Umgang in Böhmen fort. Siehe : Link
Dass es dieses Phänomen auch im Altsorb., Altpolab., Poln. und einigen ukrainischen Dialekten gab, also in den anderen westslaw. Sprachen, lässt sich auch durch die Google.Books-Suche bestätigen.

Diese w- bzw. v- Prothese steht übrigens nicht nur vor Namen sondern z. B. auch vor Substantiven:
"w-Prothese, d. h. vor ein mit einem o beginnenden Wort wird ein v- oder w- gesetzt, aus slav. okno „Fenster“ wird vokno", siehe Link (an 3. Stelle)

In Tschechien kommt der Name Vodstrčil als Alternative zu Odstrčil recht häufig vor, siehe: Link . DIe Schreibweise mit W ist vermutlich eingedeutscht.

MfG

User offline. Last seen 9 Jahre 14 Wochen ago. Offline
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Hi!

...danke für Deine Hinweise und Links. Ist schon was feines, dass man über Google inzwischen auf Bücher zugreifen kann :lol:

Quote:DIe Schreibweise mit W ist vermutlich eingedeutscht
... ja - erscheint mir auch logisch (plausibel)...

Grüßle
Dinomaus28