Grindel, im Norden

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Liebe Leute,

ich interessiere mich für den Namensteil 'Grindel', der in Süddeutschland
und der Schweiz des öfteren Teil von Landschafts- und Gewässernamen
ist. Mich würde aber interessieren, inwiefern der Namensteil Grindel,
Gryndel, vielleicht auch Grinde u. ä. in Norddeutschland verbreitet ist.
Hier kenne ich nur den Orteil Grindel in Hamburg.
Weiß jemand mehr?

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Subbi wrote:Liebe Leute,

ich interessiere mich für den Namensteil 'Grindel', der in Süddeutschland
und der Schweiz des öfteren Teil von Landschafts- und Gewässernamen
ist. Mich würde aber interessieren, inwiefern der Namensteil Grindel,
Gryndel, vielleicht auch Grinde u. ä. in Norddeutschland verbreitet ist.
Hier kenne ich nur den Orteil Grindel in Hamburg.
Weiß jemand mehr?

Hallo Subbi,

Aus dem Lexikon d. germ. Atk. Zitat:

Grind(el): mit aisl. grind für Tor, Sparren, Riegel, Umzäunung, Zaun, Erdwall, "hängt", Schweizd. Grendèl zusammen. Das Wort ist urkundlich sehr ausgibig bezeugt im Sinne von Gatter, Pfahlwerk und häufig in FLURNAMEN wie z.B. Grindelwald (bereits 1280 erwähnt)

An manchen Orten passt die Terrainbeschaffenheit trefflich zur Bedeutung: Tal-Riegel-Sperre, an andern haben vielleicht einstige Schlagbäume od. Torsperren "ihre Spuren" hinterlassen.

Näher als das nord. steht das Mittelniederd. Der Schliessbalken am Eschengatter od. -tor hiess im Obd. Grindel od. Grendel. Das Mittelniederd. kennt das selbe Wort, das hier noch Querholz, Riegel, Pflugbaum bedeutet.

Burghardt verz. bei Magdeburg einen Flurnamen "auf dem Gründel", mit dem seiner Ansicht nach ein umzäuntes Flurstück gemeint sein dürfte.

Alle diese Angaben sind **zusammengestellt/stammen von: M. Szadrowsky. Förstermann und Kolb. (**von Prof. Udolph)

Die selbe Meinung findet man im indogerm. Wörterbuch: grindel und grendel: ahd. grintil, crintil, grindil..........Pfahlwerk usw.

Weiteres: Kopie G.W.B.

GRINDEL, m., altes, im westgerm. weitverbreitetes wort, das mit verschiedenem stammsilbenvocal erscheint; die i-form, ahd. fast allein bezeugt (GRAFF 4, 332) und auch mhd. vielbelegt (mhd. wb. 1, 576a; LEXER 1, 1086), scheint später zurückgedrängt worden zu sein; sie herrscht heute als grindel, gringel im nd., in bair.-österr. maa. und nachbargebieten, findet sich auch im thür., hess., lothr. bis ins schweiz. hinauf; die e-form, die ahd. erst vereinzelt begegnet, hat ihr hauptgebiet im schweiz. und elsäss., erscheint als grendel, grennel, grengel aber auch im schwäb., hess., sowie in nd. maa., namentlich des westens; weiterhin thür., obersächs. bis ins schles. hinüber; differenzierungen der bedeutung sind gelegentlich festzustellen: schweiz. meist grendel 'gatter', grindel 'pflugbaum', genaueres bei STAUB-TOBLER 2, 757; doch läszt sich ein alter bedeutungsunterschied zwischen grindel und grendel nicht mehr erkennen; urspr. offenbar verschiedene stämme, germ. *grindila- und *grandila- (FRANCK etym. wb. 2213 b); über germ. und auszergerm. verwandte s. ebd. und SIEBS Kuhns zs. 37, 322; seltener erscheint als stammvocal ü oder u, vornehmlich österr. (s. u. 5) und westnd.: grundel clatrum DIEFENBACH 126a; obex 387a; obex schulder, regel, grundel; pressulum cleng, grundel, zwingel; vertipellum eyn dorgrundel, der in der want stecket nov. gl. 267a. 290a. 380a aus demselben rhein. glossar (a. 1476). gründel (s. v. succula); ebenso noch heute im Thurgau, STAUB-TOBLER 2, 757; auch hier mag alter ablaut zu grunde liegen, vgl. mnl. grundel, grondel neben grindel, grendel; stellenweise scheint der u-form eine besondere bedeutung zugewiesen.

1. 'ein pfahl, ein baum von mittler stärke'. 3. der riegelbalken; ebenfalls schon ahd.: grintil, crintil repagulum, pessulus, vectis, obex, sera.

4. in weiterem sinne für sperrvorrichtungen verschiedenster art, und zwar wesentlich auf hoch- und niederalem. boden; sera, clausura, claustrum SERRANUS syn. (1579) s. v.; vacerra grendel an dem zaun GOLIUS onom. (1582) 50; grendel = blegi (sperre für zaundurchgänge) MARTINY wb. d. milchwirtsch. 47; 'schlagbaum vor einem thore' (schweiz.) CAMPE; 'hölzernes gitterthor an einer bannscheide' SCHMIDT elsäss. 154a mit alten belegen; 'starkes hölzernes gitterthor'

2) pflugbaum: der pflugbaum oder der grindel ist derjenige theil, mittelst welchem der körper des pfluges in der erde fortgezogen wird THÄR grundsätze 3, 26; so seit alters: grendil grave robur (sc. aratri) WADSTEIN kl. asächs. sprachdenkm. 110, 36 (Oxford. Vergilgl.); grintil temo GRAFF 4, 332; girintal temo DIEFENBACH nov. gl. 360b; das lange holtz, das hinaus gehet wie am wagen die deichsel, und hinden durch die stertze zur lincken handt gehet, daran die löcher sein, nennet man den grengel M. GROSSER anleitung z. d. landwirtsch. (1590) N 3b; in den modernen maa. allgemein gebraucht

5) welle von rädern: grindel, wellbaum an dem mülrad axis rotae aquariae HENISCH 1746; ein neu wasserrad oder gründel bauordn. bei BIRLINGER schwäb.-augsburg. 205b; das wasserrad am halbverkohlten gründel ... war stehen geblieben ROSEGGER I 8, 182; bei ... gebläse-rädern ... nennt man sie (die achsen) vorzugsweise wellbäume oder gründel SCHEUCHENSTUEL österr. berg- u. hüttenspr. 262.

6) der hebelarm eines spannwerkes: sucula grändel, darmit man spannet FRISCHLIN nom. (1586) 268a; grendel: windenzug succula, ergata, machina tractoria HENISCH 1740; s. windenzug th. 14, 2, 297; 'auch der spanner an der armbrust wird grendel genannt (in der Schweiz)' JACOBSSON technol. wb. 2, 150b.

Die CH- Gemeinde Grindelwald "schreibt:

Grindelwald ist eine Gemeinde im Amtsbezirk Interlaken, Berner Oberland in der Schweiz. Der Name Grindelwald ist ein ursprünglicher Flurname und ist aus den althochdeutschen Wörtern grintil (Riegel, Sperre) und walt (Wald).

Ged.Grindel (SO/CH): (Portrait-Geschichte)

http://www.grindel.ch/sitemap/online/navigation4/frame4.cfm?DomainID=410&LanguageID=1&UserID=0&FolderID=0

Grindel (Hamburg): Kopie Wiki:

die Etymologie des Ortsnamens ist unklar. Sie könnte sich auf die natürliche Barriere beziehen die das Wald-Moorgebiete vor Angreifern bot (ahd. Grindel: Riegel, Pfahl, im weiteren Sinne auch Sperrvorrichtungen, Palisadenwerk). Alternativ könnte es sich auch um eine altertümliche Bezeichnung für moorige, sumpfige, von (drainierenden) Fließgewässern durchzogenes Landschaft handeln. Dieses Gebiet wurde u.a. von der alten Isebek nach Norden entwässert.

(der Isebekkanal ist ein knapp drei Kilometer langes Gewässer in Hamburg, das aus einem heute nicht mehr vorhandenen Zufluss der Alster namens Isebek hervorgegangen ist)

(Grindel, Grendel sind auch Fam. Nam. )

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Lieber Tacitus, danke für Deine Antwort.
Inzwischen konnte ich noch ein paar mehr Hinweise entdecken.
Anscheinend wurde im Niedersächsischen Sprachraum der
Ausdruck "Grindel" häufig mit "Mühle" assoziiert. Es wurde ja
oben schon gesagt, daß die Welle auf der der Mahlstein rotierte
auch Grindel genannt wurde. Manchmal gab es Mühlen mit
mehreren Grindeln, also wohl mit mit mehreren Mühlsteinen, aber
oftmals war Grindel einfach "die Mühle".

Davon abgeleitet wird dann der zur Mühle gehörende Mühlenbach
teilweise Grindelbach genannt.

Der Grindel in Hamburg war ja im 12. Jahrhundert ein von Wald
bedecktes und von Fließgewässern durchzogenes Gebiet.
Auch dort gab es einige Dörfer (d.h. kleinere Ansammlungen von
Gehöfen) sowie ein bis zwei Mühlen. Einer der Flüsse hies auch
Pepermöhlenbek.

Ich würde daher fast behaupten wollen, daß auch hier der
"Grindel", Grindelwald usw. von den Grindel(n) der Mühle(n) kommt.
Allerdings weiß ich nicht, ob dort Niedersächsisch gesprochen wurde.

Interessant finde ich noch das Folgende: An einer Stelle wird ein
Bezug zu dem englischen Wort für "mahlen", to grind, gezogen. Das würde gut
zur Mühle zu passen, aber anderseits hat es wenig mit
"Riegel, Holzbalken, hölzerner Balken" zu tun. Es wäre interessant zu
wissen ob der Grindel in der Mühle tatsächlich etwas mit dem Holzbalken
oder eher mit "to grind" zu tun hat.

:)

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Subbi wrote:Lieber Tarzius, danke für Deine Antwort.

Ich würde daher fast behaupten wollen, daß auch hier der
"Grindel", Grindelwald usw. von den Grindel(n) der Mühle(n) kommt.
Allerdings weiß ich nicht, ob dort Niedersächsisch gesprochen wurde.
BChle&as_brr=3#PPA261,M1]Bezug[/url] zu dem englischen Wort für "mahlen", to grind, gezogen. Das würde gut
zur Mühle zu passen, aber anderseits hat es wenig mit
"Riegel, Holzbalken, hölzerner Balken" zu tun. Es wäre interessant zu
wissen ob der Grindel in der Mühle tatsächlich etwas mit dem Holzbalken
oder eher mit "to grind" zu tun hat.

:)

Hallo,

Quote:Es wäre interessant zu wissen ob der Grindel in der Mühle tatsächlich etwas mit dem Holzbalken. oder eher mit "to grind" zu tun hat.

"Der Grindel in der Mühle": dazu habe ich Dir ein paar WeBSeiten ausgesucht:

Insgesamt verfügte die Rothemühle zu dieser Zeit über fünf Mahlgänge (Grindel)...............

http://www.kleiekotzer.com/html/rothemuhle_2.html

Wasserrad bewegt über Grindel, Kamprad und "Triebling" den einfachen Mahlgang...............

http://www.freilichtmuseum.at/index.php?option=content&task=view&id=234&Itemid=53

Seit Jahrhunderten wurde die Mühle durch ein rückschlächtiges Wasserrad angetrieben. Damit wurden 2 Grindel ( Mahl- und Schrotgang ).........

http://www.rentelmannsche-muehle.de/index.htm

Verbrauchersteuer; wurde in der Mühle vom geschroteten Biermalz erhoben und mußte an das ... Grindel, Grinde, Antriebsteile der Gänge, je Gang ein Grindel.......................

http://www.heimatverein-oesingen.de/alte_gewichte.htm

Eine oberschlächtige Mühle funktioniert wie folgt: Die Welle, genannt Grindel, endet in einem Kammrad. Dieses treibt, mittels mehrer Übersetzungen................

http://www.bachlmuehle.de/Bachlmuehle/antrieb.htm

Der Grindel ist die Welle, auf der sich das Mühlrad dreht………….

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/niederoesterreich/waldviertel/teufelsmuehle.html

Quote:Ich würde daher fast behaupten wollen, daß auch hier der
"Grindel", Grindelwald usw. von den Grindel(n) der Mühle(n) kommt.

"Der Grindel" in ON. und Flurnamen:

Dazu: Der Name Grindel (althochdeutsch grintil Riegel, Sperre) bez. Flur und ON.. Z.B. Die Gemeinde Grindel SO im Kanton Solothurn, Schweiz oder den Ortsteil Grindel (Hamburg)). Dies ist (auch) belegt!)

Der engl. Ausdruck "to grind" nimmt ganz sicher bezug auf "malen". Man sagt im Engl. auch z.B.: to grind one's teeth= die Zähne knirschen.

Kopie aus dem Wörterbuch:

reiben, zerreiben, mahlen, schleifen= grind
mahlen= to grind {ground; ground}
mahlen - to kibble
Mahlen {n} - grinding
Gemahlen= milled
mahlend= milling
mahlend= kibbling
vermahlen=to grind
zermahlen= squelched
zermahlen= to squelch
zermahlend= squelching
vermahlen= to pulverize

Eine Mühle kann nicht mit dem Wasser von gestern mahlen.: A mill cannot grind with the water that is past.

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Wiederum vielen Dank für die Antworten. Es ist schön, wenn man
bei einem solchen "kleinen" Rätsel neue Hinweise bekommt.

Wie es scheint, gibt es also zwei Möglichkeiten, warum der
Mühlengrindel Grindel heißt. Einerseits könnte es von dem
"Holzbalken, Riegel, oder Holzstab" kommen, andererseits
könnte es mit dem angelsächsischen, oder noch älteren,
to grind zu tun haben.

Ich habe so eine Vermutung, daß die
Grindel -Namensbezeichnungen, -Grindelwald etc.-
im südlichen, "allemannischen" Sprachraum eher die Bedeutung
von (Holz-)Riegel, Pallisadenwerk, usw. hat, während im Norden,
-Niedersachsen, vielleicht auch bis Hamburg-, eher die Mühle mit ihrem
("to grind" ??) -Grindel der Namensgeber ist.

:)

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Subbi wrote:Wiederum vielen Dank für die Antworten. Es ist schön, wenn man bei einem solchen "kleinen" Rätsel neue Hinweise bekommt.

Wie es scheint, gibt es also zwei Möglichkeiten, warum der
Mühlengrindel Grindel heißt.

:)

Hallo Subbi.

Quote:Wie es scheint, gibt es also zwei Möglichkeiten, warum der
Mühlengrindel Grindel heißt.

Da kann ich Dir nur zustimmen.