Polnische Namen in Deutschland / seit wann?

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Gast

Hallo zusammen ,

es gibt ja bekanntlich sehr viele Namen in Deutschland, die einen slawischen Ursprung haben. Ich habe eine Frage zu den polnischen Namen. Diese haben ja oft die Endung -ski oder -ek und diese Namen klingen für mich heute auch oft urdeutsch, weil sie so weit verbreitet sind.

Meine Frage ist, seit wann gibt es polnische Namen im deutschen Sprachraum in etwa? Mir ist klar, dass heute immer noch Polen nach Deutschland auswandern, aber mich interessiert, wann die ersten größeren Ströme von Polen nach Deutschland kamen und somit seit wann es polnische Nachnamen in Deutschland gibt.

Mich interessiert diese Frage, da ich selbst polnische Vorfahren habe.

Vielen Dank im Voraus !

MfG

User offline. Last seen 7 Jahre 19 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 26.04.2005
Beiträge: 50

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>>Slawische Familiennamen in Deutschland:

Insbesondere im Osten Deutschlands, also östlich von Saale und Elbe treten gehäuft Familiennamen slawischen Ursprungs auf. Dies ist auf die ursprünglich slawische Bevölkerung zurückzuführen, die seit dem 5./6. Jahrhundert in dieser Gegend siedelte und auch nach der deutschen Ostkolonisation (10./11. Jahrhundert) neben der deutschen Bevölkerung lebte.
Doch auch in anderen Gebieten finden sich vermehrt slawische Familien- als auch Ortsnamen, so zum Beispiel im Osten Bayerns. Auch diese Namen sind auf die ursprünglich slawische Bevölkerung zurückzuführen. Auch im übrigen Teil Deutschlands finden sich bedingt durch die Mobilität der Menschen zahlreiche slawische Familiennamen. Besonders im Rheinland sind polnische Namen nachweisbar, die auf die Einwanderung von Arbeitern im 19. Jahrhundert zurückzuführen sind.
Die Familiennamen slawischen Ursprungs machen mittlerweile einen erheblichen Teil des heimischen Familiennamenschatzes aus (etwa 25 %). Oftmals sind diese so verändert worden, das sie kaum mehr als slawisch zu erkennen sind.

Aber schauen Sie doch auch mal näher auf dieser Seite hier nach. Auch Regionalgeschichte in Buchform ist zahlreich. Oder sie googlen einfach mal. Die Fülle an Informationen ist riesig. Wenn Sie sicher gehen wollen auch das Richtige angeklickt zu haben, sollten Sie auf Universitätsseiten bauen. Die sind am zuverlässigsten. Denn "Heimatforscher", die sich im Netz entsetzlich ausgebreitet haben, sind wirklich nicht die besten Quellen für ihre Antworten... Viel Spaß beim Recherchieren. Und fragen Sie einfach weiter!!!

Gast

Ich würde nicht sagen, daß insbesondere im Osten Deutschlands gehäuft Familiennamen slawischen Ursprungs auftreten, auch wenn hier gewiß eine ursprünglich slawische Bevölkerung ansässig war. (Für deren Eindringen ist 5./6. Jahrhundert vielleicht ein wenig früh angesetzt, 7. Jahrhundert reicht doch auch schon.)
Nein, nach meinem Dafürhalten finden sich slawische Namen in GANZ Deutschland relativ häufig. Von einer besonderen Häufung in den fünf neuen Ländern würde ich nicht sprechen, eher in den Ballungsräumen, wie dem Ruhrgebiet, Hamburg, Frankfurt/Main, Stuttgart, Berlin und München. Doch sonst finden sich slawische Namen relativ gleichmäßig verteilt.
Ich wäre vorsichtig, inwieweit sich alteingessene slawische Bevölkerung an den heutigen Familiennamen erkennen läßt, oder ob es sich in den letzten 150-200 Jahren (Industrialisierung, Vertreibung und andere Wanderungsgründe) zugewanderte Familien handelt. Hier zu unterscheiden halte ich so pauschal für recht schwierig.

Gast

ich hab eure beiträge nur überflogen (sorry wegen der G/kleinschreibung--tipp grad mit einer hand). ich muß mörseralex in in einem punkt widersprechen.

"im osten eine ursprünglich slawische Bevölkerung ansässig ...".

die slawische bevölkerung im osten wurde nie ganz vertrieben. sie lebte nicht nur neben (@claudia) sondern vermischte sich natürlich auch mit den deutschen neusiedlern bzw. eroberern. ja, ja binsenweisheit, aber mir fällt immer wieder auf, daß vor allem ostdeutsche (bin auch so einer) davon nichts wissen / wollen.
hab vor kurzem herausgefunden, daß meine eltern eigentlich mit den gleichen familiennamen geboren wurden. nur das der eine deutsch und der andere sorbischen ursprungs ist. wenn das kein perfektes finale für meinen kleinen beitrag ist was dann?

User offline. Last seen 13 Jahre 18 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 19.12.2005
Beiträge: 9

Die polnischen Familiennamen kamen gehäuft im Zeitalter der Industrialisierung bis zum ersten Weltkrieg nach Deutschland. Speziell im Ruhrgebiet gab es im 19. Jh. eine erste sogenannte "Gastarbeiter-Welle". Daher sind vor allem dort sehr häufig polnische Namen anzutreffen.

User offline. Last seen 1 Woche 2 Tage ago. Offline
qualifiziertModeratorAdmin
Beigetreten: 15.11.2010
Beiträge: 485

Stimmt, allerdings waren Sie im "Osten" schon Jahrhunderte vorher zugegen. Das Landöstlich der Elbe war bis vor ca. 800 Jahren mit Slawen besiedelt, aber auch nach der Ostexpansion gab es einen Austausch zwischen Slawen und deutschen Siedlern in diesem Gebiet.
Das läßt sich auch schön an den Ortsnamen im "Osten" nachvollziehen.

User offline. Last seen 13 Jahre 18 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 19.12.2005
Beiträge: 9

Das eine hat mit dem anderen aber nichts zu tun. Die slawischen Namen im Osten Deutschlands werden völlig anders gebildet, als die polnischen Namen. Polnische Einwanderer gab es allerdings schon seit dem Mittelalter, nur nicht in der großen Zahl, wie im 19. Jh.

Übrigens lebten die Slawen nicht nur östlich der Elbe, auch westlich bis ins Gebiet Hamburg, Braunschweig, Harz, Thüringen, Franken, Oberpfalz, Niederbayern.

Gast

Strupanice wrote:Die polnischen Familiennamen kamen gehäuft im Zeitalter der Industrialisierung bis zum ersten Weltkrieg nach Deutschland. Speziell im Ruhrgebiet gab es im 19. Jh. eine erste sogenannte "Gastarbeiter-Welle". Daher sind vor allem dort sehr häufig polnische Namen anzutreffen.
Die 'Gastarbeiter' waren aber nur zu einem Teil tatsächlich Polen! Lt. Heimatarchiv des Kreises Ortelsburg in Herne waren die Übersiedler im Ruhrgebiet überwiegend Deutsche - hier haben sich vor vielen Jahren schon die Fußballer von Schalke 04 (Szepan, Kuzorra usw.) heftig dagegen gewehrt, als Polen bezeichnet zu werden.
Der Staat Polen befand sich derzeit weiter süd-östlich. Gleichwohl hatten die Vorfahren damaligen Reichsbürger wohl in viel früheren Jahren einen 'polnischen' Nachnamen erhalten. Nach den Kirchenbüchern war die Bevölkerung im 18/19 Jh zum großen teil evangelisch - also schon von daher ganz sicher keine Polen.

Gast

Kann ich so bestätigen. Mein Großvater kam um die Jahrhundertwende nach Gelsenkirchen, sprach von Hause aus Deutsch war evangelisch und als Staatsangehörigkeit stand in seinen Papieren preussisch. Es lebten in Ostpreußen Deutsche und Polen Tür an Tür. In den Gebieten hat es auch mal eine Abstimmung gegeben, ob sie zu Polen oder Preußen, ich weiß aber nicht mehr wann.

User offline. Last seen 13 Jahre 7 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 09.03.2006
Beiträge: 2

Diese Abstimmung fand in Südostpreußen (Masuren) 1920 statt, war Grundlage des Versailler Vertrages, genau wie die Abstimmungen in Obeschlesien und Schleswig nach Ende des 1. Weltkrieges.

User offline. Last seen 5 Jahre 32 Wochen ago. Offline
Experte!
Beigetreten: 26.06.2006
Beiträge: 1095

In einigen ehem. deutschen Ostgebieten wie Oberschlesien und Westpreußen gab es schon " immer" poln. Familiennamen, d. h. seit deren Entstehen ab 13. Jh. In Westdeutschland (Westfalen) zeigt familysearch den frühesten poln. Namen im Jahr 1723.

Joannem - International Genealogical Index
Gender: Male Christening: JUN 1723 Maria Zur Hoehe Evangelische, Soest, Westfalen, Preussen

Karoline Wilhelmine von Kowalski - International Genealogical Index
Gender: Female Birth: 25 DEC 1753 Stettin, , Pommern, Preussen

DANIEL KOWALSKY - International Genealogical Index
Gender: Male Marriage: 28 AUG 1761 Ganzkow, , Mecklenburg-Strelitz, Germany

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