Busenitz

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Der Name Busenitz

Die Herkunft des Namens

Der Name Busenitz kann mit guten Gründen von dem prußischen (altpreußischen) Wort
bousennis = Stand, Art

hergeleitet werden. Das Suffix –ennis bezeichnet in der prußischen Sprache ein aus einem Substantiv gebildetes Adjektiv.

Busenitz also etwa in der Bedeutung: Leute von Stand. Das deutet darauf hin, dass sie Landbesitz hatten, als sie diesen Beinamen führten, der später zu ihrem erblichen Familiennamen wurde.

Begründung

1. Familiengeschichte

Die Familie Busenitz lässt sich genealogisch bis zum Jahr 1691 zurückverfolgen. Bis zu ihrer Auswanderung 1893 in die USA war die Familie im Weichselmündungs-gebiet ansässig und damit in einer seit etwa 1800 v. Chr. von Prußen besiedelten Landschaft. Von daher lag es nahe, die Herkunft des Namens im Bereich der prußischen Sprache zu suchen.

2. Namenskundliche Quellen

Das prußische Wort bousennis findet sich in der Publikation „4444 ostpreußische Namen prußisch erklärt“ von Heinz Georg Podehl . Der Autor leitet von bousennis den prußischen Namen Busse her. Dieser prußische Name ist im existierenden deutschen Namen Busse erhalten geblieben, desgleichen in Abwandlungen dieses Namens: Buss, Buß, Bussas, Bussek, Buske. Der Name Busenitz wird von Podehl nicht erwähnt. Der Name war in den Telefonbüchern des Ruhrgebietes, woraus Podehl vor allem die Namen für sein Buch zusammengetragen hatte, nicht zu finden. Im Gegensatz zu vielen ost- und westpreußischen Familien mit prußischstämmigen Namen war von den Busenitz niemand ins Ruhrgebiet ausgewandert.

Auch in anderen namenskundlichen Publikationen, z.B. bei Bahlow oder im Internet, ist zur Herkunft des Namens Busenitz nichts zu finden.

Von der prußischen zu heutigen Form des Namens

Die Veränderung von busennis zu Busenitz kann mehrere Ursachen gehabt haben.

1. Slawischer Einfluss

Hierzu schreibt Wilhelm Reinhold Brauer : „Als aber östlich und westlich der Weichsel die Masowier und andere slawische Stämme (Boleslaw Chrobry um das Jahr 1000 n. Chr.) im Zusammenhang mit ihren Christianisierungsversuchen die Prußen immer weiter gen Norden drängten, da war der Prozess der volklichen und sprachlichen Verselbständigung der Prußen längst abgeschlossen, desgleichen auch die prußische Bezeichnung der Orte und Landschaften sowie Gewässer. Die bereits seit Jahrhunderten übliche prußische Namengebung in diesen Gebieten war ebenfalls abgeschlossen, hat sich bis etwa 1000 n. Chr. im allgemeinen gehalten; auf die ursprünglichen Benennungen konnten die vom Süden kommenden Slawen keinen Einfluss mehr nehmen. Bei der dann im 11. und 12. Jahrhundert einsetzenden Slawisierung der Ortschaften und Urkunden und Volksstämme sowie Personen versuchte man durch künstliche Ableitungen, einfache Übersetzungen, klangliche Angleichung oder auch durch tiefempfundene Legenden die ursprünglich prußischen Benennungen umzudeuten und dem Slawischen anzunähern.“
So könnte Bousennis zur slavischen Form Bousenitz geworden sein.

2. Namensnotierungen nach Gehör

Auch als ab 1230 mit der Landnahme an der unteren Weichsel durch den
Deutschen Orden der Einfluss der deutschen Sprache dort bald dominierte,
veränderten sich Namen. Max Mechow schreibt: „Hatte schon der Orden die
Namensgebung vereinfacht, so haben wir Anzeichen dafür, dass die preußischen
Behörden ihm auch bei Personennamen darin gefolgt sind.“ Und weil von den
Prußen wenig Schrifliches überliefert ist, muss man annehmen, dass die
Ordensverwalter wie auch später die preußischen Beamten Namen weitestgehend
nach Gehör aufgeschrieben haben. Und dabei kann dann auch das "o“ in
Bousenitz verloren gegangen und Busenitz übrig geblieben sein.

Es ist aber ebenso denkbar, dass alle Veränderungen in der Namensschreibung erst in der Ordenszeit oder in der polnischen Zeit nach 1466 oder in der preußischen Zeit nach 1772 erfolgt sind. In der Genealogie ist der älteste bekannte Vertreter der Familie, der 1691 getauft wurde, aber schon als Anton Busenitz in der jetzt benutzten Schreibweise aufgeführt.

Richtig fest wurde die Schreibweise der Namen erst mit der Einrichtung der Standesämter, in Preußen ab dem 1. Oktober 1874, im übrigen Deutschen Reich ab 1. Januar 1876.

Dr.Klaus Jansson
Hofheim am Taunus im Juni 2011

User offline. Last seen 9 Jahre 21 Wochen ago. Offline
Experte!
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Da es sich bei dieser Erklärung nur um eine nicht belegte Hypothese handelt, könnte man den Namen ja genauso gut auch aus dem Poln. ableiten. Hier käme poln. buźnica / bóżnica / boźnica = Synagoge dem FN BUSENITZ phonetisch sehr nahe, besonders die Genitivform bużnic, z. B. plac Bóżnic . In einigen alten poln. Büchern findet man sogar die Grundform buznica. Dass der Name in irgendeiner Form eingedeutscht wurde, ist ja außer Zweifel. Es ist aber zu beachten, dass buźnica / bóżnica im Altpoln. nur Gebetshaus bedeutete. Erst später nahm es die konkretere Definition jüdisches Gebetshaus an.

Falls die Familie jüd. oder andere religiöse Wurzeln hat, wäre wohl diese Deutung zu bevorzugen. Aber auch ohne diese könnte sich der Name auf die Wohnstätte in der Nähe eines Gebetshauses beziehen.
Interessanterweise gibt es in der Literatur den Hinweis auf einen Abraham Busenitz, in den Jahren um 1744 amtsführender Schulze eines ausschließlich mennonitischen Bauerndorfs in Westpreußen. > Westpreussen-Jahrbuch. Aus den Niederlanden stammende Mennoniten siedelten sich ab 1525 im Weichseldelta an. > Link

Familysearch verweist bei den BUSENITZ in Westpreußen ebenfalls auf Mennoniten.
ANCKE BUSENITZ - International Genealogical Index
Gender: Female Marriage: 14 FEB 1781 Mennoniten, Ladekopp, Westpreussen, Preussen
ABRAHAM BUSENITZ - International Genealogical Index
Gender: Male Marriage: 02 NOV 1797 Mennoniten, Heubuden, Westpreussen, Preussen
JOHANN FRIEDERICH BUSENITZ - International Genealogical Index
Gender: Male Marriage: 25 JUL 1825 Mennoniten, Elbing, Westpreussen, Preussen
.... usw.

Belegt ist auch die Variante BUSNITZ:
JOHANN EDUARD BUSNITZ - International Genealogical Index / GE
Gender: Male Birth: 12 SEP 1846 Mennoniten, Neuteich Stadt, Westpreussen, Preussen

MfG

User offline. Last seen 11 Jahre 31 Wochen ago. Offline
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Beiträge: 3

Sehr geehrter "DIOGENES",

über Ihren Beitrag zur Deutung der Herkunft des FN Busenitz aus dem Polnischen habe ich mich sehr gefreut. Vielen Dank. Habe von anderer Stelle die Mitteilung erhalten, dass die Busenitz im 19. Jh. ihren Namen auf den polnischen Namen Buzewicz zurück geführt hätten. Beweisen kann man, wie Sie zurecht anmerken, wohl keine der Versionen. Dass die Busenitz im 19. Jh. die Herkunft ihres Namens zuerst aus dem polnischen und nicht aus dem baltischen / prußischen Sprachbereich zu erklären versuchten, hängt wohl damit zusammen, dass die Beforschung der Prußen und des Prußischen sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. zu intensivieren begann und die Busenitz davon noch keine Kenntnis haben konnten. Der von Ihnen erwähnte Abraham Busenitz, der um 1744 Schulze in Koselitzke war, ist einer meiner Vorfahren. Nochmals vielen Dank für ihren Beitrag.
Mit freundlichen Grüßen
Jankonrad

Beigetreten: 29.01.2006
Beiträge: 1829

Hallo,
ich halte den Namen auch für slawisch, möglicherweise kaschubisch oder pomoranisch. Das Auffinden bei den Mennoniten dürfte durch Einheirat entstanden sein.

Zu den Mennoniten:
* http://www.g-gruppen.net/mennot.htm

Beate

User offline. Last seen 11 Jahre 31 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 27.06.2011
Beiträge: 3

Sehr geehrte Frau Szillis-Kappelhoff.
haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme und für den sehr interessanten Link zu den Mennoniten.
MfG
Jankonrad

User offline. Last seen 9 Jahre 21 Wochen ago. Offline
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Beigetreten: 26.06.2006
Beiträge: 1095

Ich habe mal den Gedanken von Beate aufgegriffen und in einem pomoran. Wörterbuch (Lorentz) recherchiert (Pom. im weiteren Sinn schließt Kaschubisch ein).
Die einzigen Begriffe, die Busenitz ähnlich klingen, sind:
bušnelc * = Angeber
bušnica = Angeberin
diese leiten sich vom Verb bušnic = eingebildet sein ab. Infinitive bilden jedoch keine Namen.
* Das l in der Endung -elc kommt mir allerdings seltsam vor. Es könnte entweder ein Druckfehler oder eine sehr ungewöhnliche Aberration sein.
(Zur Erinnerung: c = [ts])

MfG