Kattonaitis / Katins

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User offline. Last seen 11 Jahre 39 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 28.12.2008
Beiträge: 3

Hallo,

ich versuche seit einigen Monaten die Herkunft bzw. Bedeutung meines Nachnamens zu erforschen.

Herausgefunden habe ich folgendes:

1. Die Katins kommen ursprünglich aus Ostpreussen (hier Kreis Insterburg)
2. vermutlich handelt es sich um im 1600 Jahrhundert eingewanderte Litauer. Dies habe ich einem Ortsnamenlexikon entnommen. Hier wurden die ersten KATTONAITIS (KATINS) im Jahre 1598 verzeichnet.

Wenn ich eine Übersetzung vom litauischen ins deutsche vornehme kommt bei Katins = Katze heraus.
Gem der Endung -AITIS bedeutet es allerdings "Sohn des". Ich würede nun gern herausfinden WARUM und WANN z.B. in Ostpreußen die Nachnamen geändert wurden und wie damit vorgegenagen worden ist.

Was würde z.B. KATTONAITIS bedeuten (Sohn des KATTO?)? Was sollte dies sein?

Weiterhin würde mich natürlich interessieren was ein Tier als Familiennamen bedeutet (Deutsch-Litauisch Wörterbuch Katins = Katze)?

Wer kann helfen oder hat Einblick in entsprechende Literatur?
Über eine Nachricht würde ich mich sehr freuen.

Beigetreten: 29.01.2006
Beiträge: 1833

Hallo,
der Name kann litauisch sein, kann aber auch prußisch oder kurisch sein. Tiernamen spielten in heidnischen (nicht katholisch oder evangelisch geprägten) baltischen Gebieten eine große Rolle. Das betrifft die prußischen, kurischen und szemaitischen Gebiete. Literatur zur baltischen Mythologie und zu baltischen Bräuchen Ostpreußens gibt es ausreichend.

Der Name ist mehrdeutig:

Übername für jemand, der an einen Kater erinnert.
Bei Ortsnamen eher Hinweis auf das Vorkommen von Wildkatzen, deren Fell als Tauschware sehr begehrt war.
Möglich auch Hinweis auf einen Fischerei- oder Textilbetrieb (Es gibt mehrere technische Geräte, die als „Katze“ bezeichnet werden; Benediktenkarden und -disteln werden in textilveredelnden Betrieben zum Bearbeiten des pflanzlichen oder tierischen Materials verwandt).

* prußisch „kata, catto“ = Katze
* „kate“ = Kätzchen
* „kateinis“ = der Katzenähnliche
* „kataris“ = Katzenimitator zum Anlocken des Wildes

* „Katemilžiai“ = Katzenmelker (Spottname im Dorf Wederischken/ Kreis Ragnit)

* litauisch „katenas, katinas“ = Kater
* preußisch-litauisch „katinas“ =
a) Kater
b) Benediktenkraut/ Benediktenwurz/ Benediktenkarde/ Spinnendistel (bot. snicus benedictus)
c) Anker
* „katine virve“ = das Ankerseil

* nehrungs-kurisch „kats“ = Stiel

Namenvarianten:
* Niclos Kathenyn (um 1400), Gebiet Gerdauen, hat preußisches Recht
* Caterps (1357), Wore
* Katcze (1338 ), „Pruthenus“, Samland (s. ON Kotzlauken)
* Katcze (1338 ), Sudauer
* Kattucke (1398 ), Gebiet Wehlau
* Katucke (1419), Kammeramt Creuzburg
* Cattocke (1407), Kammeramt Creuzburg
* Katte, Katter, Kattenau, Kattinat, Kattner, Katzke, Katzki
* Katenne, Katin, Katinas, Kattenat, Kattonaitis, Katims, Kattkus

Ortsnamen:
* Kath (1245), Katzen Kreis Heilsberg
* Catamus (1284) bei Bolbitten Kreis Heiligenbeil
* Katelauke (1351), in Natangen („laukas“ = Feld)
* Koczlauken (1495), Kotzlauken Kreis Fischhausen, Samland
* Kathemedien (1374), Kattmedien Kreis Rössel („median“ = Wald)
* Katpanye (um 1400) bei Hohendorf Kreis Stuhm („pannean“ = Moosbruch)
* Kattenplick (1354), Katzenblick Kreis Fischhausen/ Samland („plike“ = kahle Wiese)
* Cattiten (1423), Kammeramt Worienen Kreis Preußisch Eylau
* Cotyn (1427), bei Nahmgeist Kreis Preußisch Holland
* Kother (1289), bei Tromnau Kreis Rosenberg
* Kothewein (1471), Kammeramt Lötzen
* Kattenau (1736), Amt im Kreis Stallupönen/ Ebenrode-Pillkallen/ Schloßberg
* Kattenuppen (1736), Amt Ballgarden Kreis Tilsit-Ragnit-Niederung
* Katzenduden (1736), Duden (1938 ), Amt Ballgarden Kreis Tilsit-Ragnit-Niederung

Beate

User offline. Last seen 5 Jahre 7 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 17.12.2008
Beiträge: 94

KATINAS ist litauisch der Kater. Was der Grund zu dieser Benennung war, läßt sich heute nicht mehr sagen.
In Ostpreußen schleift sich die Endung AS ab. Sie wird zunächst zu S, der Name also zu KATINS. Meist fällt auch noch das S ab: auch der Name KATIN findet sich im deutschen Telefonbuch.
Früher erhielt der Sohn noch die Endung AITIS oder ATIS, also KATINAITIS oder KATINATIS. Als diese Namen in den Kirchenbüchern auftauchten, waren die preußisch-litauischen Bauern sicher Analphabeten, aufgeschrieben hat der Pfarrer, und dabei konnte leicht aus einem einfachen T ein TT werden, und aus I ein O, also KATTONAIT. Es gibt auch Rückbildungen von der AITIS Endung zur AS Endung, das ist bei KATINS passiert.

Der Kreis Insterburg war, was die Landbevölkerung angeht, bis zur Pestepidemie von 1709/10 fast ausschließlich von Litauern besiedelt. Unter "Kleinlitauen" finden Sie auf Wikipedia preußisch-litauische Wörterbücher. In der Grammatik von Kurschat ist ein Kapitel zu den Endungen (AS, ATIS etc.)

Monte

User offline. Last seen 11 Jahre 39 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 28.12.2008
Beiträge: 3

Hallo Beate,
Hallo Monte,

habt recht herzlichen Dank für diese umfassenden Auskünfte.

@Beate
Woher hast du diese Aussagen? Welche (erschwinglichen) Bücher zu diesem Thema kannst du empfehlen?

@Monte
Die Geschichte des Kreise habe ich über die Weihnachtstage abgearbeitet. Hier habe ich auch über die Pest und die "zuvor impotierten" LItauer geleseen. Den Wikipediabericht werde ich heute inhalieren...

Wer kann aber noch etwas zur "Eindeutschung"von Familiennamen aussagen? Wann kam dies zustande?

Beigetreten: 29.01.2006
Beiträge: 1833

Hallo,
schau dich ein wenig hier um:
* http://www.ostpreussenforum.de/
Da findest du auch Literaturlisten. Erschwinglich sind leider die wenigsten Bücher, aber du kannst viele über die Fernleihe der Büchereien ausleihen. google-books ist auch eine gute Alternative.

Um nachvollziehen zu können, warum etwas so entstanden ist wie es sich heute darstellt, sollte man sich mit der Geografie, der Kulturgeschichte, der heidnischen Religion und der Land- und Hauswirtschaft befassen.

Die Litauer sind nicht "importiert" worden. Sie sind aus Polnisch-Litauen und später Russisch-Litauen geflohen, fanden Aufnahme in Preußen und erhielten bäuerliche Stellen. Viele von den "Litauern" waren auch Prußen, die vor dem Orden zunächst in litauische Gebiete geflüchtet waren und nun zurück in das freiere Recht des Ordens flüchteten. Zudem waren heute litauische Gebiete früher sudauisch:
* http://de.wikipedia.org/wiki/Sudauen

Litauische Namen wurden nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt (oder etwa absichtlich) "eingedeutscht" oder"germanisiert". Diese Begriffe sind politisch und werden von einer bestimmten Gruppierung gebraucht.
Besser ist es, von Anpassung zu reden, und die fand immer im jeweiligen Umfeld statt, je nachdem wie die Bevölkerung in den einzelnen Dörfern zusammengesetzt war. Es wurden auch deutsche oder prußische Namen litauisiert. Und später wieder mit dem Abfall einzelner litauischer Endungen zurück "eingedeutscht". Ebenso erhielten baltische und deutsche Namen polnische Endungen. Eindeutig ist in Ostpreußen leider ganz selten etwas.

Beate

User offline. Last seen 11 Jahre 39 Wochen ago. Offline
Beigetreten: 28.12.2008
Beiträge: 3

Szillis-Kappelhoff wrote:
* Niclos Kathenyn (um 1400), Gebiet Gerdauen, hat preußisches Recht

Hallo nochmals,

wer kann mir sagen was es sicht mit dem Ausdruck "hat preußisches Recht" auf sich hat?

wer kann mir mitteilen wie damals (ca 1900" die Erbfolge im Kreis Insterburg geregelt wurde. Wurde z.B. der Hof dem "Jüngeren" oder dem "Älteren" vererbt?

Gruss
Sehrohr

Beigetreten: 29.01.2006
Beiträge: 1833

Hallo,
es gab unterschiedliche Rechtseinstufungen. Deutsche und westliche Einwanderer wurden nach kölmischem (Kulm) oder madgeburgischem Recht eingestuft. Aus den Kölmern entstand später die Schicht der Rittergutsbesitzer.
Prußen und die später einwandernden Balten wurden nach dem schlechteren preußischen Recht eingeordnet. Aber es war immerhin besser als der rechtlose Zustand in den Ländern aus denen sie geflüchtet waren. Du kannst also mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auf einen Balten schließen, wenn von preußischem Recht die Rede ist.

Generell kann man nicht sagen wie die Erbfolge war. Es kam aber sehr häufig vor, dass der jüngste Sohn erbte, weil die Eltern dann möglicherweise zu alt waren um den Jüngsten so abzusichern wie die älteren.

Beate